Hermann Broch

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Hermann Broch, Portrait von 1909
Hermann Broch (* 1. November 1886 in Wien; † 30. Mai 1951 in New Haven, Connecticut, USA) war ein österreichischer Schriftsteller.

Leben

Hermann Broch wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten geboren. Nach der Matura 1904 an der k.k. Staatsrealschule auf der Schottenbastei besuchte er die Höhere Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie sowie Vorlesungen an der Universität Wien für Mathematik, Physik und Philosophie. Dem Ingenieursabschluss in Mühlhausen im Elsaß folgten bald leitende Aufgaben in der familieneigenen Textilfabrik in Teesdorf in Niederösterreich.

1909 heiratete er Franziska von Rothermann, deren hohe Mitgift Broch in die Spinnfabrik investierte. Broch konvertierte zum Christentum und ließ sich taufen. 1910 kam sein Sohn Hermann Friedrich auf die Welt. 1923 wurde die Ehe geschieden und bedeutete für ihn erhebliche finanzielle Aufwendungen. Sein Sohn Hermann („Armand“) verbrachte die Jahre von 1924 bis 1928 in einem exklusiven französischen Internat. Brochs Sohn heiratete 1941 in der Emigration eine Tochter Jakob Wassermanns aus erster Ehe.

1927 legte Broch die Leitung der Texilfirma zurück, 1932 ging das Unternehmen in Konkurs. Das bedeutete weitere große finanziellen Einbußen für die ganze Familie.

Auf Umwegen und mit verschiedenen Unterstützern – u. a. Einstein, Joyce, Mann – emigrierte Broch am 24. Juli 1938 aus Österreich. Ende September landete er in New York und verbrachte die folgenden Jahre an verschiedenen Orten der USA, ab 1942 sechs Jahre in Princeton, dann in New Haven, wo er Deutsche Literatur lehrte. In der Emigration begann Broch sich mit Massenpsychologie zu befassen und forschte intensiv über die „Massenwahntheorie“.

Broch unternahm große Anstrengung um Hilfen für Flüchtlinge zu unterstützen. Und diesen befand sich auch sein Sohn. Seine Mutter kam in Theresienstadt um, was er erst zwei Jahre später erfahren hatte.

Ende 1949 heiratete Broch ein zweites Mal – die Malerin Anne Marie Meier Graefe. Er verfasste den Essay „Hofmannsthal und seine Zeit“, eine Analyse des Fin de siecle, auch die Novellensammlung „Vorüberziehende Wolke“ wird 1950 als Roman „Die Schuldlosen“ veröffentlicht. Während er mit seiner Frau seine Reise nach Europa vorbereitete, erlitt er einen Herzanfall und starb am 30. Mai 1951 in New Haven/Connecticut.

Broch als Schriftsteller

Erste Veröffentlichungen von ihm erschienen 1913 in der Literaturzeitschrift „Der Brenner“ er. Andere Zeitschriften wie „Die Moderne Welt“ und „Summa“ folgten mit Veröffentlichungen von Beiträgen von Broch. Zwar musste Broch aufgrund von Untauglichkeit nicht am Ersten Weltkrieg teilnehmen, aber er leitete bis zum Kriegsende ein in der Teesdorfer Fabrik untergebrachtes Lazarett des Roten Kreuzes.

Zu Künstlern und Literaten seiner Zeit, wie Hofmannsthal, Polgar, Altenberg, Friedell, Musil, Kraus, Schnitzler, Kaus, Gütersloh, Schiele, Kokoschka pflegte er Kontakte und sich mit ihnen vor allem in den Wiener Kaffeehäusern „Central“ oder „Herrenhof“.

Immer wieder widmete sich Broch verschiedenen Studien, u.a. der Philosophie und Erkenntnistheorie, auch lernte er die Psychoanalyse kennen, wobei er einige Jahre bei der Freud-Schülerin Hedwig Schaxel in Behandlung war.

Sein erstes umfangreiches Werk war die Trilogie „Die Schlafwandler“ (1932): I.: „Pasenow oder die Romantik. 1888“, II.: „Esch oder die Anarchie. 1903“, III.: „Huguenau oder die Sachlichkeit. 1918“. Die Romane handeln vom Zerfall alter Wertvorstellungen – die bürgerliche Kultur mündet daher in Inhumanität und Egoismus. Literarisch wurde die Trilogie „zugehörig zur europäischen Avantgarde“ gewertet.

Broch und das Ausseerland

Die prekäre finanzielle Situation veranlasste Broch, sich nach Gössl am Grundlsee zurückzog. Dort verbrachte er teilweise die Sommer 1932 und 1933. In einem Brief an Freunde schrieb er: „Kennen Sie übrigens das Salzkammergut? Es ist wunderschön.“ Während dieser Zeit traf er auch mit Robert Neumann, Friedrich Torberg und Jakob Wassermann zusammen.

Am Grundlsee arbeitete er am Filsmann-Roman. Daraus entstand das Drama „Die Entsühnung“, das in Zürich erfolgreich zur Aufführung gelangte. Es folgten zwei Lustspiele: „Aus der Luft gegriffen“ und „Es bleibt alles beim Alten“. Darüber hinaus schrieb er eine Reihe von Novellen und zahlreiche Gedichte.

1935 lebte er einige Zeit in Mösern in Tirol. Dort begann er die Arbeit am Roman „Die Verzauberung“, vorerst als „Bergroman“ bezeichnet. Es sollte der erste Band einer Trilogie mit dem Titel „Demeter“ werden sollte. Er blieb jedoch unvollendet. Posthum (1954) erschien der Roman auch unter dem Titel „Der Versucher“.

Um näher zu Wien zu sein, nahm er 1936 in Altaussee Quartier. Bereits als 17-jähriger war er zum ersten Mal in Altaussee gewesen. Das Bauernhaus, vulgo Grieshofer, Altaussee Nr. 31, stellten ihm die Mieter, das Ehepaar Geringer aus Wien, zur Verfügung. Die dortige Nachbarin, Ella Zand, sorgte in seinem Haushalt für Ordnung und berichtete von Brochs bescheidenem Lebensstil. Auch wusste sie, dass er fast ununterbrochen Pfeife rauchte und bis spät in die Nacht arbeitete. Während dieser Zeit traf Broch u. a. Raoul Auernheimer und den Ausseer Lehrer Hans Vlasic, den er zum Projekt „Haussprüche“ ermutigte und unterstützte. Diese wurden dann in der „Neuen Rundschau“ abgedruckt.

Broch schrieb aus Altaussee: „Bedauerlicherweise mag ich die hiesige Gegend nicht“ und über die Bewohner: „So etwas von Gleichgültigkeit gegen das Weltelend ringsum …. übrigens war der Österreicher immer so.

In Altaussee arbeitete er an seinem literarischen Hauptwerk „Der Tod des Vergil“, mit dem er schon seit längerem befasst war. Als Gegner des Totalitarismus setzte er sich gezielt für die Verteidigung der Menschenwürde und –rechte ein und formulierte die „Völkerbund-Resolution“, wofür er mit bedeutenden Zeitgenossen korrespondierte, wie z. B. mit Thomas Mann, Aldous Huxley und Albert Einstein.

Am 13. März 1938 wurde Broch aufgrund einer Meldung des Briefträgers, dass Broch eine russische Zeitschrift abonniert habe, ins Gefängnis in Bad Aussee eingesperrt. Sein Zellengenosse war der spätere Altausseer Bürgermeister Josef Khälß, dem er am Josefitag eine Fotografie von sich widmete: „Zum Namenstag in einer Zelle / Dem Seppl Khälß / sein Haftgeselle Hermann Broch 19.3.1938.“ Broch wurde Ende des Monats entlassen und bemühte sich um seine Ausreise.

In den Vereinigten Staaten von Amerika stellte er 1940 die vierte Fassung des Vergil-Romans fertig. „Der Tod des Vergil“ wurde 1945 veröffentlicht, in Österreich und Deutschland erst 1949. Dieses große Werk zählte Thomas Mann zu den „höchsten Leistungen deutschen Schrifttums im Exil“.

Ehrungen

Ein Gedenkstein nahe Brochs Quartier in Altaussee, beim Haus Covington, erinnert an den bedeutenden Literaten, der hier eine kurze Zeit gewohnt hat und möglicher Weise auch zu seinen Beschreibungen der Landschaft in seinem Roman „Die Verzauberung“ inspiriert worden ist.

Weiterführend

Für Informationen zu Hermann Broch, die über den Bezug zum Ennstal hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Quelle

Archiv des Literaturmuseums Altaussee www.literaturmuseum.at/Literaten