Heilbronner Dachsteinunglück 1954

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Beim Heilbronner Dachsteinunglück 1954 erfroren bei einem Schneesturm in der Karwoche auf dem Dachstein drei Lehrer und zehn Schüler aus Heilbronn, Bundesrepublik Deutschland.

Ereignis

Die deutsche Wandergruppe brach am Gründonnerstag, dem 15. April 1954 vom Bundessportheim in Obertraun () zu einer Tour auf den Krippenstein auf. Jedoch brach ein völlig unerwarteter Wettersturz über das Dachsteingebirge herein und verschluckte die Gruppe in einem Schneesturm. Für zehn Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und für drei Lehrer kam jede Hilfe zu spät.

Es begann die umfangreichste Suchaktion in der Geschichte des österreichischen Alpinismus. Aber der Schneesturm hielt drei Tage an und brachte bis zu zwei Meter Neuschnee. Noch in der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag stiegen die ersten Suchtrupps auf. 500 Gendarmen, Bergrettungsmänner und unzählige Freiwillige suchten unermüdlich nach den Vermissten und gerieten dabei selbst an die Grenzen des Erträglichen. Eine ortskundige Gruppe aus Obertraun verirrte sich am Karfreitag im Suchgebiet und musste im Freien die Nacht verbringen, bevor sie am nächsten Tag völlig erschöpft auf der Südseite des Dachsteins, in den Öfen bei Gröbming ankamen.

Auch steirische Alpingendarmen und 165 steirische Bergrettungsmänner begannen von der steierischen Seite aus mit einer Suchaktion. Die Männer kamen aus Bad Aussee, Bad Mitterndorf, Ramsau am Dachstein, Schladming, Haus im Ennstal, Gröbming, Kleinsölk, Stainach, Selzthal, Rottenmann und von vielen anderen Ortsstellen. Die Schutzhütten auf der Schönbergalm und auf der Gjaidalm wurden zu den Zentren des Einsatzes.

Obertraun wurde binnen weniger Tage zu einem Medienzentrum der Journalisten und Fotografen, der Angehörigen und auch zahlreicher Neugieriger. Sogar Hellseher, Wünschelrutengänger und Pendler boten ihre Dienste an. Immer wieder kamen Spezialisten angereist, die unter anderem die Dachsteinhöhlen absuchten.

Die Menschen in der Welt warteten am Radion auf Nachrichten aus dem Dachsteingebiet, Magazine und Zeitungen machten das Unglück zu ihren Titelthemen - kein anderes Ereignis seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte bis zu diesem Ereignis heftigere Emotionen in der Öffentlichkeit ausgelöst als das Dachsteinunglück.

Erste Hinweise auf das Verbleiben der Gruppe, ein verlassenes Biwak im Schnee, wurde dann fünf Tage nach dem Beginn des Wettersturzes entdeckt. Am neunten Tag wurden die letzten Hoffnungen durch den Fund erster Opfer zunichte. Sie wurden auf Totenbrettern von Gendarmen und Bergrettungsmännern ins Tal gebracht. Doch erst nach 43 Tagen waren alle Opfer vom Berg geborgen.

Das Unglück gibt bis heute Rätsel auf und hat zahlreiche Fragen unbeantwortet gelassen. Was mag den Klassenlehrer bewogen haben, die Tour trotz Wettersturz fortzusetzen? Wie lassen sich die im Nachhinein bestätigten Warnungen von Einheimischen in die Kette der unglücklichen Entscheidungen einreihen? Wie ungünstig wirkte es sich aus, dass die Ausrüstung der Gruppe nur für eine Tageswanderung bei gutem Wetter ausgerichtet war? Weshalb wurde das clever angelegte Notbiwak verlassen? Wie vermochten die Dreizehn den Stunden im Sturm, dem Ankämpfen gegen Nässe, Eiseskälte, orkanartigem Wind und letztlich der Erschöpfung und dem Erfrieren begegnet sein?

Gedenkstätten in Heilbronn (ein Ehrengrab, das sogenannte "Dachsteingrab", an dem sich Mitschüler alljährlich am Karfreitag treffen), Heilbronner Kreuz im Dachsteingebirge und die Heilbronner Kapelle auf dem Krippenstein erinnern an diese Tragödie.

Siehe auch

Quellen

Weblinks