Gustav Ortner

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Gustav Ortner (* 31. Juli 1900 in Haus im Ennstal; † 26. November 1984 in Afling, Tirol) war ein Ennstaler Physiker.

Leben

Gustav Ortner kam als Sohn eines Gerbermeisters in Haus im Ennstal zur Welt. Noch im Kindesalter übersiedelte er mit seinen Eltern nach Wien. Nach seiner Schulausbildung im humanistischen Gymnasium studierte er ab 1918 Mathematik und Physik. Er promovierte 1923 zum Dr. phil. und ging 1924 als Assistent am Institut für Radiumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, wo er bis 1939 blieb. In dieser Zeit beschäftigte er sich vor allem mit der hochauflösenden Röntgenspektroskopie. Nach seiner Habilitation 1932 entwickelte er gemeinsam mit Georg Stetter einen funktionsfähigen Proportionalzähler, der einen spektakulären Fortschritt beim Nachweis ionisierender Strahlung bedeutete.

Von 1939 bis 1945 war Ortner ao. Professor des Institutes für Radiumforschung. Während des Zweiten Weltkriegs war er auch Mitglied im so genannten „Uranverein“. Er befasste sich in dieser Zeit mit Überlegungen zur Entwicklung eines Kernreaktors. Er arbeitete an einer „Uranmaschine“ zur Energieerzeugung gemeinsam mit Stetter und Otto Hahn. Der Krieg erschwerte jedoch Kontakte mit dem Ausland und so musste er seine Forschungspläne zurückstellen. Nach Kriegsende wurde er von den Sowjettruppen als vermuteter Geheimnisträger über die Entwicklung der Atombombe nach Moskau verschleppt. Doch schon nach kurzer Zeit durfte er wieder zu seiner Familie zurückkehren.

Von 1950 bis 1955 war er als o. Professor für Physik an der Universität Kairo, Ägypten, tätig. Dabei widmete er sich seinem besonderen Interesse für Ägyptologie. Aufgrund seiner großen Erfahrung auf dem Gebiet der friedlichen Verwendung der Kernenergie wurde Ortner 1955 nach Österreich zurückgeholt. 1956 wurde er Konsulent im Bundesministerium für Unterricht und ab 1960 o. Professor für Kernphysik an der Technischen Hochschule in Wien, wo er bis zu seiner Emeritierung 1970 verblieb. 1957 wurden Ortner die vorbereitenden Arbeiten und die Leitung des „Atominstituts Wien“ übertragen, das 1959 in das „Atominstitut der österreichischen Hochschulen“ übergeleitet wurde und dessen Vorstand er gemeinsam mit Fritz Regler 1961 übernahm.

Er war auch Vorstand des Instituts für Kernphysik an der Technischen Hochschule in Wien. Er gilt als einer der Pioniere der Kernphysik, insbesondere auf den Gebieten Spektroskopie der Röntgenstrahlen, Radioaktivität und Messtechniken der Kernphysik, Neutronenphysik und Ionenbeweglichkeitsspektren. Mit kosmischer Strahlung und Kernreaktoren hatte er sich auch beschäftigt.

Auszeichnung

1941 wurde er zum korrespondierenden und 1964 zum wirklichen Mitglied der (Österreichischen) Akademie der Wissenschaften in Wien ernannt. 1967 erhielt er von dieser den Erwin-Schrödinger-Preis verliehen.

Quelle