Geschichte des Fremdenverkehrs in der Dachstein-Tauern-Region

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Dieser Artikel behandelt die Geschichte des Fremdenverkehrs in der Dachstein-Tauern-Region.

Einleitung

Als erfreuliche Tatsache kann man feststellen, dass es auch in Schladming junge Leute gibt - die zwar früh zum Besuch höherer Schulen und dann zum Studium die Stadt verlassen, zum Inhalt ihrer Diplom- und Doktorarbeit jedoch Themen aus ihrem engeren Heimatbereich wählen. Zu diesen jungen Diplomanden zählt auch Doris Maier, die in Wien studierte und eine Diplomarbeit über die Geschichte des Fremdenverkehrs im oberen Ennstal schrieb. Nachstehend einige Ausschnitte aus dieser umfassenden Arbeit.

Die ersten Reiseführer über Schladming und seine Umgebung

Der erste „Tourist", der alpine Erkundungsreisen in der Dachstein-Tauern-Region durchführte, war Erzherzog Johann. Er war ein begeisterter Bergsteiger und zu seiner Zeit unbestritten einer der besten Kenner der Ostalpen, Das naturverbundene Leben in den Bergen zog ihn an und dort fand er Menschen, die sich „kräftig an Leib und Seele" erhalten hatten.

Am 19. August 1814 gelang dem Erzherzog die Erstbesteigung der Hochwildstelle, wobei zuerst geeignete Männer wie der Waldmeister Paul Grill aus Aussee oder der Jäger Jakob Buchsteiner aus Schladming Wegmöglichkeiten erkundeten und die Besteigung dann mit Unterstützung von Führern und Trägern durchgeführt wurde. Am 29. August 1817 folgte eine zweite Erst-Ersteigung der Hochwildstelle, an der auch der Kammermaler Jakob Gauermann teilnahm und dabei Gebirgslandschaften und Szenen aus dem bäuerlichen Alltagsleben festhielt. Tags zuvor, am 28. August 1817 war dem Erzherzog auch die Erstersteigung des Hochgollings gelungen. Er schilderte diese denkwürdige Gipfeltour in seinem Tagebuch, was dann der Wiener Schriftsteller Franz Garl Weidmann in seinem 1834 erschienenen „Darstellungen aus dem Steyermärk'schen Oberlande" fast wörtlich übernahm.

Weidmann und andere mit Erzherzog Johann befreundete Schriftsteller verfassten auch mehrere „Reiseführer". Das Werk von Weidmann, das man als den ersten Reiseführer von Schladming bezeichnen kann, beginnt mit einer Widmung an Erzherzog Johann und im danach folgenden Vorwort schreibt der Autor: „Die Topographie Steiermarks ist noch immer ein fast unbebautes Feld. Es existiert selbst über einzelne Theile des Landes kein, auch nur einigermassen genügendes Werk. Besonders aber sind die herrlichen Alpenketten bis zum Dachstein und Hochgolling an den Gränzen Salzburgs, mit ihrer Fülle von Schönheit und Reiz noch wahre Terra incognita.

Im „Ersten Haupttheil: Schladming und dessen Umgebung" heißt es dann:
Ich beginne diese Darstellung mit der Durchwanderung einer der reizendsten, und bisher wenigstens noch nie öffentlich besprochenen Alpengegenden unserer herrlichen Steyermark. Es wird allmählig immer mehr erkannt, daß ein großer Theil der Alpengegenden des steyermärk'schen Hochlandes sich kühn in Parallele mit den gepriesensten Fluren der Obrigen europäischen Alpenländer stellen darf,und diese Erkenntnis immer mehr und lebendiger zu verbreiten ist der eigentlichste Zweck dieser Blätter."

Schladming beschreibt Weidmann folgendermaßen:</br > „Schladming selbst ist ein Marktflecken, nach der letzten Conscriptions-Revision mit 993 Einwohnern. Der Markt Schladming selbst ist ziemlich verödet und macht einen ernsten Eindruckin der Erinnerung dessen, was war und was ist."

In der Folge schildert Weidmann ausführlich Wanderungen und Gipfeltouren in der näheren Umgebung, er schreibt aber auch über das bäuerliche Leben, über die. Almwirtschaft und die beschwerliche und gefährliche Arbeit der „Senndinn", über Ernährung, Flora, Klima, Wirtschaft,Volk und Sitte.

Der nächste Reiseschriftsteller, der die Steiermark durchwanderte, war Johann Gabriel Seidl. In seinem zweibändigen Werk „Wanderungen durch Tyrol und Steyermark", das 1840 in Leipzig erschien, zeigt er sich von den landschaftlichen Schönheiten rund um Schladming beeindruckt. Neben einem kurzen historischen Überblick und einer Ortsbeschreibung von Schladming werden dann wieder einige Wanderungen, die von Schladming aus durchgeführt werden können, beschrieben.

Die Erschließung der Bergwelt rund um Schladming ging in raschen Zügen vorwärts. Im August 1819 bezwang Jakob Buchsteiner im Alleingang den Torstein. Die Erstbesteigung des Hohen Dachsteins erfolgte im Jahre 1832 durch den Filzmooser Peter Gappmayer[1], nachdem die von Erzherzog Johann angeregten Versuche von Buchsteiner und Grill 1818 scheiterten. Unzertrennlich verbunden mit dem Dachsteingebiet ist der Name von Friedrich Simony, der 1842 den Dachstein erstmals bestieg und darüber einen Bericht für Erzherzog Johann verfasste. Simony, der sich vor allem für die Naturwissenschaft interessierte, widmete 40 Jahre seines Lebens der Erforschung des Dachsteingebirges.

Im Jahre 1873 erschien ein „Gebirgsführer durch Steiermark, Kärnten, Krain und die angrenzenden Theile von Oesterreich, Salzburg und Tirol" von Johannes Frischauf, der bereits in der Art eines späteren Wanderführers abgefasst war. Darin wird mitgeteilt, dass Schladming für Touren aller Art sehr günstig gelegen ist und der Jagdbesitzer Gustave de Vernouillet sehr gefällig Auskünfte erteilt.

Die eigentliche Geburtsstunde des Fremdenverkehrs, nicht nur in Schladming, sondern im ganzen Ennstal, war die Eröffnung der Eisenbahnlinie von Selzthal nach Bischofshofen im Jahre 1875, die neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschloss. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich das Gebiet zu einer beliebten Sommerfrische, die vor allem von Wienern und Grazern aufgesucht wurde. Bald begann man, Wohnungen und Ort eigenes für Sommergäate einzurichten. Aus dem 1883 erschienenen Handbuch „Steiermärkische Bäder und Luft-Curorte__“ erfährt man folgendes:

Luft und Wasser sind in Schladming liegt 732 Meter hoch und zählt etwa 1 000 Einwohner. Gute Unterkunft findet man sowohl in den Gasthäusern: ,Zur Post‘ , beim ,Bräuer‘ und ,Fleischhacker‘, bei Tutter und Kegel, als auch in Privatwohnungen, die Kost ist in den genannten Gasthäusern recht gut und kräftig und sind die Preise keine übertriebenen. Am Marktplatz befindet sich ein gutes, schön eingerichtetes Kaffeehaus. Kleinere Gasthäuser mit Kegelbahnen, dann Kaffehäuser u. dgl. Belustigungsorte gibt es mehrere. – Schladmings Bier ist ein wohlschmeckendes Gebräu. – Eine große Annehmlichkeit bieten die im Gasthaus ,Zur Post‘ wohl eingerichteten Wannenbäder. Schladming ist ein sehr reinlicher Ort, der auf den Fremden einen günstigen Eindruck ausüben muss.

Nach der Beschreibung einiger Wanderungen heißt es dann noch:
Wenden wir uns noch gegen Osten, um einen Spazierung in der Ebene nach Haus zu machen. Wir kommen nach fünf Minuten bei einem kleinen Teiche vorbei, dem gegenüber der Strasse links ein Wirthshaus ,Beim Bichlhof' steht. Im Teiche befindet sich eine Badehütte, die gegen Erlag einer kleinen Silbermünze benützt werden kann."

Mit der Gründung des „Verschönerungs-Comités" im Jahre 1884 begann dann ein neues Kapitel in der Geschichte des Schladminger Fremdenverkehrs, das Schladming und seiner Wirtschaft einen großen Aufschwung brachte.

Quelle

Einzelnachweise

  1. Dieser Satz stammt aus den Heimatkundlichen Blättern von Schladming, Nr. 20, Oktober 1992, verfasst von Walter Stipperger und gilt mittlerweile als überholt - siehe den Artikel Erstbesteigung des Hohen Dachsteins