Gerhard Wawerka

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Der Schamane, Öl auf Leinwand, 1993

Gerhard Wawerka (* 7. Juli 1925 in Wien; † 29. Dezember 1998) war als Lehrer, Politiker, freischaffender Maler und langjähriger Leiter der Galerie Taverne Trieben tätig.

Leben

Gerhard Wawerka, der älteste von drei Brüdern, kam am 7. Juli 1925 in Wien-Erdberg als Sohn eines ÖBB-Angestellten und einer Hausfrau zur Welt. 1943 maturierte er an der Lehrerbildungsanstalt in Wien, wurde anschließend von der Deutschen Wehrmacht eingezogen und geriet knapp vor Kriegsende in russische Gefangenschaft, aus welcher er am 20. September 1946 entlassen wurde.

Unmittelbar danach war er als Volksschullehrer beziehungsweise in weiterer Folge als Hauptschullehrer in Rottenmann tätig. 1957 ließ er sich nach Trieben an die dortige Hauptschule versetzen, deren Direktor er von 1966 bis zu seiner Pensionierung 1985 war.

Im kulturellen Leben von Trieben spielte Gerhard Wawerka eine entscheidende Rolle. Von 1960 bis 1987 war er im Gemeinderat hauptsächlich als Kulturreferent tätig und organisierte in dieser Funktion zahlreiche Veranstaltungen, wie zum Beispiel Dichterlesungen oder Konzerte. Besonderen Verdienst erwarb er sich jedoch als Gründer und Leiter der Galerie Taverne Trieben, worin er nicht nur renommierten, sondern auch jungen und noch unbekannten Künstlern die Möglichkeit auszustellen bot.

Bei einer Werkbetrachtung Gerhard Wawerkas fällt dessen Orientierung an großen Kunstrichtungen Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts auf. Dabei sind im Speziellen der Surrealismus und die Wiener Schule des Phantastischen Realismus zu nennen. Wawerka erhielt zwar 1954 für Hauptschulen seine Lehrbefähigung in Bildnerischer Erziehung (neben Deutsch und Turnen), blieb aber dennoch auf dem Gebiet der Malerei ein – wie er selbst festhielt – Autodidakt. Unermüdlich bildete sich Wawerka durch Besuche an der Wiener Urania oder Privatunterrichte bei Professor Ostrichansky fort. Neben seiner Lehrertätigkeit nahm er weiters an Kursen der Volkshochschule sowie an den unterschiedlichsten Kunstseminaren in Strobl, am Retzhof, in Salzburg und abermals in Wien, unter anderem bei Gerda Matejka-Felden, teil.

Werk

Wawerka, welcher Mitglied im Steiermärkischen Kunstverein–Werkbund war, erweiterte im Laufe seines Künstlerlebens die eigene Farbpalette. In den Anfangsjahren seiner surrealen, magischen Bilder herrschte ein dunkler Violett- beziehungsweise Grünton mit ausgeprägter Licht- und Schattenbildung vor, der die zumeist mystisch-nächtliche Wirkung noch verstärkte. Seine selbst auferlegte Farbbeschränkung lockerte er Mitte der 1970er Jahre allmählich auf und fand in den von Mythen, Traum und Märchen verschmolzenen Bildern neue, zum Teil farbenfrohe Zugänge. Im Spätwerk sind ineinanderfließende und geschwungene Formen organischer und anorganischer Art feststellbar. Mitte bis Ende der 1980er Jahre ergänzte Wawerka seine technische Palette und schuf, abgesehen von den sein Schaffen dominierenden Ölbildern, Arbeiten in Airbrush-Technik sowie Aquarelle und grafische Blätter.

Immer wiederkehrende Motive des Künstlers waren dabei mystische Landschaften, Frauen, Erotik, Tod, aber auch Clowns und „Narreteien“ sowie religiöse Themen.

Gerhard Wawerka, aufgrund seiner Lehrertätigkeit finanziell unabhängig, war die Freiheit, keinem Geschmack oder Trend in der Kunst verpflichtet zu sein, sehr wichtig. Er agierte freischaffend und nahm nur wenige öffentliche Aufträge an, unter anderem für die Gemeinden Wald am Schoberpass (Gemeindewappen), Gaishorn am See (Außenfassade am evangelischen Pfarrhaus) oder Trieben (Polit-Aquarium im Hallenbad).

Quellen

  • Archiv Galerie Wawerka
  • List, Rudolf Maler und Kunsterzieher Gerhard Wawerka in Trieben 900. Heimatbuch der Marktgemeinde, hrsg. von Franz Wohlgemuth, 1974
  • Jontes, Günther; Wawerka, Gerhard Ölbilder – Graphik, 16. Sonderausstellung des Museums der Stadt Leoben, Ausstellungskatalog, Leoben 1974
  • Rabl, Gernot; Wawerka, Gerhard „Ein Fenster ins Unbekannte wird aufgestoßen …“, in: Da schau her. Die Kulturzeitschrift aus Österreichs Mitte, 1/2010, 31. Jahrgang, Schloss Trautenfels, 2010