Geologie und Klima modellieren den Bezirk Liezen

Das Ennstal teilt die geologischen Einheiten des Kristallins im Süden (linksseitig im Bild) von den Nördlichen Kalkalpen im Norden (rechtsseitig im Bild).
Die Nord-Süd angelegten Täler an der Südseite der Enns sind an tektonische Störungen gebunden und wurden im Zuge der Vergletscherungen zu U-förmigen Trogtälern umgeformt.

Dieser Artikel behandelt die Geologie und Klima modellieren den Bezirk Liezen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Fundament der Landschaft bildet die Geologie. Der Bezirk Liezen ist verschiedenen großtektonischen Einheiten zugehörig, die auf weite Strecken durch das Tal der Enns voneinander getrennt sind.

Das Ennstal liegt an einem Störungssystem, der Ennstal-Störung, und trennt die lithologisch und morphologisch gegensätzlichen Gesteinseinheiten der Kalkalpen (großteils) im Norden vom Kristallin im Süden. Dazwischen verläuft ein breitenvariierendes Band der Grauwackenzone. Überdeckt werden diese alten Gesteine von den jungen (Locker)-Sedimenten entlang der Enns.

Präalpidische und alpidische geologische Einheiten

Die Gesteinseinheiten des Bezirks Liezen sind, abgesehen von den jungen Sedimenten, dem Ostalpin zugehörig. Weite Teile des Kristallins der Niederen Tauern, die Gauwackenzone und die Nördlichen Kalkalpen sind Oberostalpine Decken. Nur vergleichsweise kleinräumige Bereiche am Westrand der Bundeslandgrenze südlich der Enns gehören dem Unterostalpin an.

Die Entstehung des Kristallins geht weit in die Erdgeschichte zurück. Im Paläozoikum vor 541 bis 253 Millionen Jahren bildeten sich in marinem Bereich tonige, sandige und kalkige Sedimentgesteine. Die Sedimentation wurde zeitweise von vulkanischer Aktivität und charakteristischen Magmatiten unterbrochen. Durch die Variszische Orogenese kam es ab dem Karbon zu unruhigen Sedimentationszyklen und das Perm ist von Schuttablagerungen des Variszischen Gebirges geprägt. In flachen Meeresbereichen entstanden durch mehrere Austrocknungszyklen Tone mit eingelagerten Evaporitgesteinen, die uns als Haselgebirge erhalten geblieben sind.

Aufgrund der regen Tektonik und der Gebirgsbildungsphasen sind die paläozoischen Gesteine heute meist metamorph überprägt. So reicht die Lithologie des Kristallins im Bezirk Liezen von Phyllit, Schiefer verschiedenster Art und Quarzit über Amphibolit bis hin zu Marmor. Die Grauwackenzone weist einen geringeren Metamorphosegrad auf als das Kristallin.

Die jüngste und auch heute noch im Hangenden des Kristallins und der Grauwackezone befindliche Decke sind die Nördlichen Kalkalpen. Sie stammen aus Sedimentationen im Mesozoikum in einem äquatornahen Schelfbereich des Tethys-Ozeans bzw. des Penninischen Ozeans. In Summe entstanden dabei über 3 000 m mächtige Gesteinspakete.

Entstehung der Gebirge

Durch die ca. 100 Millionen Jahre andauernden Abläufe der Alpidischen Orogenese falteten sich aus den beschriebenen Gesteinspaketen die Alpen auf. Dabei bildete sich auch der mächtige Deckenstapel des Ostalpins (Details siehe unter "Alpidische Orogenese"). Der Großteil des "Fundaments" im Bezirk Liezen besteht aus Gesteinen des Ostalpins.

Postalpidische geologische Einheiten

Nach der alpidischen Gebirgsbildung entstanden ab dem frühen Neogen Inneralpine Becken. Ihre Entstehung basiert auf tektonischen Bewegungen, wie zum Beispiel Seitenverschiebungen oder Abschiebungen an denen es zu vertikalen und horizontalen Krustenbewegungen kam. Im Laufe der Erdgeschichte wurden diese Becken durch Erosionssedimente der umliegenden Gebirge wieder verfüllt. Zeitweise standen die Becken auch unter Wasser und bildeten, je nach Größe, Seen oder Meere. Im Bezirk Liezen waren Seen entlang der Ennstal-Störung angelegt. Durch die Inkohlung pflanzlicher Reste konnten sich zwischen den Lockersedimentschichten der Seen auch Kohleflöze entwickeln.

Vor 2,6 Millionen Jahren begann die Periode des Quartärs. Mit ihr setzte die globale Abkühlung ein und es bildeten sich auf der Nordhalbkugel ausgedehnte Eisschilde. In den Alpen und somit auch im Bezirk Liezen setzten vor 650 000 Jahren die vier bekannten Kaltzeiten der Großvergletscherungen ein; beginnend mit Günz und bislang endend mit Würm. Alle vier Kaltzeiten liefen in etwa gleich ab - alle hinterließen ihre geologischen Spuren und prägen die heutige Morphologie. Durch die Jüngste, die Würm-Kaltzeit, wurden jedoch viele ältere Spuren überprägt und der Bezirk Liezen erhielt durch sie den vorerst letzten Schliff.

Die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart

Nach dem Abschmelzen des Gletschereises blieb das mittransportierte Lockermaterial am Talboden liegen. An steilen Flanken der Hänge kam und kommt es, bevorzugt bei instabilen Felsformationen, zu Massenbewegungen wie etwa Rutschungen oder Bergstürze. In manchen Tälern finden wir heute fein geschichtete Sedimente. Sie zeugen von einer vorübergehenden Seenbildung, ausgelöst durch große Massenbewegungen, die das Wasser aufstauten. Ein tiefeinschneidendes Relief und enge Schluchten zeugen von hoher Wasserenergie in geologisch kurzer Zeit.

Durch Erosion kommt es kontinuierlich zur Abtragung von morphologischen Erhebungen. Aber auch größerer gravitativer Materialtransport ist Teil der geogenen Naturgefahren. Die Grundlage hierfür sind immer der geologische Untergrund, die Tektonik, das Relief und das Klima. So bilden sich zum Beispiel an den Flanken der Berge Hangschuttkegel, Muren- und Schwemmfächer. Besonders entlang des Ennstals prägen diese Erscheinungen das Bild der Landschaft.

Der Prozess der Massenbewegungen wird nie abgeschlossen sein, denn die endogenen und exogenen Kräfte stehen in ständiger Wechselwirkung miteinander.

Verweis

Das Schloss Trautenfels (Universalmuseum Joanneum) präsentiert von 19. März bis 31. Oktober 2016 die Sonderausstellung Landschaft ist Bewegung. Das zentrale Thema ist die geologische Entstehung der heutigen Landschaft des Bezirkes Liezen.

Quellen

  • Fritz, I. (2016): Landschaft ist Bewegung. Geologie und Klima modellieren den Bezirk Liezen. in Da schau her, 2|2016|37 Jg., 3-7
  • Kellerer-Pirklbauer, A., Proske, T. & Untersweg, Th. (2012): Darstellung der Talbodenbereiche des Steirischen Ennstals (Forschungsbericht), Graz: Institut für digitale Bildverarbeitung
  • Preßlinger, H. & Köstler, H. J. (Hrsg.) (1993): Bergbau und Hüttenwesen im Bezirk Liezen. Trautenfels: Verein Schloss Trautenfels
  • Schuster, R., Daurer, A., Krenmayr, H.G., Linner, M., Mandl, G.W., Pestal, G. & Reitner, J.M. (2013). Rocky Austria. Geologie von Österreich - kurz und bunt. Wien: Geologische Bundesanstalt
  • Stüwe, K. & Homberger, R. (2015). Die Geologie der Alpen aus der Luft. Gnas: Weishaupt Verlag