Flugzeugabsturz am Schöneck in der Gemeinde Kleinsölk 1944

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Wrackteile
alter Flugzeugmotor

Der Flugzeugabsturz am Schöneck in der Gemeinde Kleinsölk ereignete sich am 15. November 1944. Dabei zerschellte ein Bomber des Typs B-17G[1] (Flying Fortress - fliegende Festung) im November 1944 auf dem Schöneck in Kleinsölker Gemeindegebiet auf einer Seehöhe von ca. 2 200 m ü. A..

Vorgeschichte

Im Frühjahr 1943 wurde in Afrika ein neues Luftkommando der Alliierten, die 15. US-AirForce und die 205. Royal AirForce Bombergruppe, aufgestellt. Es sicherte die Landung der Alliierten Truppen bei Salerno (Kampanien, Süditalien). Nachdem auch der untere Teil des italienischen Stiefels von den Alliierten erobert wurde, war Lucera einer der Flughäfen der 15. US-AirForce. Ab Mitte 1943 wurde von dort aus auch Österreich mit schweren Bomberstaffeln angegriffen.

Am 15. November 1944 starteten in Lucera die B-17G der 301. Bombergruppe des 352. Geschwader, (301st Bombardment Group, 352nd Squadron) in Minuten-Intervallen mit dem Ziel Panzerwerke (voest) in Linz. Es war dies der fünfte Fliegerangriff auf Linz, der Hauptangriff galt den FlAK-Stellungen am Pöstlingberg. Um 10:49 Uhr wurde Fliegeralarm gegeben, die Feindtätigkeit dauerte ca. eine Stunde. Es waren 60 bis 80 Flugzeuge in kleineren Gruppen daran beteiligt.

Darunter befand sich auch der Bomber des Typs B-17G mit der AAF Serial Number 42-97728, Nickname „NONE“ ("keiner"). Die Maschine befand sich bereits am Rückflug, als sie durch einen witterungsbedingten (Vereisung) und einem zusätzlichen technischen Defekt (leckgeschlagene Ölleitung), die Antriebskraft zweier der vier Motoren an Leistung verlor. Um 10:42 Uhr wurde ein Notruf abgesetzt. Auf Grund des schlechten Wetters mit starken Winden war es schwierig, die Kontrolle zu behalten. Die Maschine verlor schnell an Höhe, und bevor sie in die Todesspirale überging - ein Aussteigen ist wegen der enormen Zentrifugalkräfte so gut wie nicht mehr möglich - trotzdem schafften es noch drei der zehn Besatzungsmitglieder den Ausstieg mittels Fallschirm.

Bergung

Der Maschinist Sgt. Roy T. Patterson verließ als erster das Flugzeug auf einer Flughöhe von ca. 30 000 ft (ca. 9 000 m). Er war lediglich mit einem Notschirm ausgestattet, wurde von Harry P. Hillhouse aus dem Flugzeug gestoßen und unmittelbar danach in Klaus in Schladming aufgegriffen. Er konnte nach einiger Zeit in Gefangenschaft in Frankfurt am Main (Stalag Luft IV) von Frankreich aus schließlich mittels eines hoffnungslos überladenen Frachtschiffes in seine Heimat heimkehren.

Der Navigator 2nd Lt. Harry P. Hillhouse war der nächste, der die Maschine in einer Höhe von ca. 16 000 ft (ca. 4 900 m) verlassen konnte. Er landete im Bereich des Weitkars im Putzental im Gemeindegebiet von Kleinsölk in hochalpinem Gelände. Es lagen bereits äußerst große Schneemengen. Nach dem Abstieg gelangte er in die Putzentalalm.

Hier stieg er in die Ringdorferhütte ein um dort die Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen ging er talauswärts und gelangte nach einem Einbruch in das eiskalte Wasser des Schwarzensee schließlich zum Forsthaus am Schwarzensee, welches zu dieser Zeit von der Familie Schnepfleitner bewohnt war. Dort wurde er erstversorgt. Eine Verständigung war auf Grund der sprachlichen Barriere nicht möglich, und so zeichnete Hillhouse seine Informationen über den Absturz auf einer Postkarte auf. Im Laufe der nächsten Nacht erschien dann der über den Vorfall informierte Postenkommandant Bindlechner, welcher ihn am frühen Morgen des darauf folgenden Tages mit sich führte und sodann in den Räumen vom Kaufhaus Koller in Stein an der Enns der Luftwaffe als Kriegsgefangenen übergab. Harry P. Hillhouse kam im April 1945 frei und kehrte in die USA zurück.

2nd Lt. William W. Flood dürfte unmittelbar nach Hillhouse die Maschine verlassen haben. Er hatte dabei nicht so viel Glück wie die beiden vor ihm, er überlebte den Absprung nicht. Er soll im Frühjahr 1945 oberhalb des oberen Lanschitzsees in der Lungauer Gemeinde Lessach tot aufgefunden und noch vor der Bergung durch einen Lawinenabgang in den See verfrachtet worden sein. Er wurde erst im August 1947 geborgen.

Die Maschine zerschellte schließlich auf dem Schöneck in Kleinsölker Gemeindegebiet auf einer Seehöhe von ca. 2 200 m ü. A . auf, wodurch auch die restlichen in der Maschine verbliebenen Besatzungsmitglieder ihr Leben verloren. Tragisches Detail am Rande: Zumindest eine weitere Person dürfte den Absturz vorerst überlebt haben. Sie wurde in einigem Abstand zur Maschine mit einer kleinen Bibel in der Hand aufgefunden. Die Bibel trug die Inschrift Howard and Myriam – Christmas 1943. Diese Bibel nahm Gebhard Ladreiter an sich und übergab sie ungefähr im Jahr 1990 an zwei zufällig anwesende amerikanische Studenten mit der Bitte die Angehörigen auszuforschen und das Buch an sie zu übergeben. Es konnte bisher nicht nachvollzogen werden, was damit geschah.

Die getöteten Besatzungsmitglieder konnten auf Grund der großen Schneemassen erst im Sommer des Jahres 1945 – laut Aufzeichnung in der Pfarrchronik war es der 27. Juli 1945 – geborgen werden. Sie sind nach den Aufzeichnungen des ABMC (American Battle Monuments Commission) auf den amerikanischen Soldatenfriedhöfen Lorraine American Cemetery, St. Avold, in Frankreich, (Mitchko, Cantwell, Haglund, Imlay, O’Brien) bzw. Ardennes American Cemetery in Neupre, Belgien (Flood) begraben. Bullock und Spagnolo wurden ursprünglich auch in St. Avold beerdigt, über Entscheidung der Angehörigen wurden diese jedoch nach Ende des Krieges in die Vereinigten Staaten überführt und im Bundesstaat New York beigesetzt.

Harry P. Hillhouse ist am 7. Juli 1992, Roy T. Patterson am 24. Februar 1997 verstorben.

Besatzung

  1. Pilot : 2nd Lt. Albert H. Mitchko
  2. Co-Pilot: 1st Lt. Philip M. Bullock
  3. Navigator: 2nd Lt. Harry P. Hillhouse
  4. Kugelturmschütze (Radar Navigator): 1st Lt. Benjamin E. Cantwell
  5. Bombenschütze (Bombardier): 2nd Lt. William W. Flood
  6. Techniker/Schütze (Engineer/Gunner): Sgt. Roy T. Patterson
  7. Funker/Schütze (Radio Operator/Gunner): S/Sgt. Robert G. Haglund
  8. Rumpfschütze (Waist Gunner): S/Sgt. Mark E. Imlay
  9. Rumpfschütze (Waist Gunner): Sgt. William J. O'Brien
  10. Heckschütze (Tail Gunner): Sgt. Thomas J. Spagnolo

nicht überlebt

  1. 2nd Lt. Albert H. Mitchko
  2. 1st Lt. Philip M. Bullock
  3. 1st Lt. Benjamin E. Cantwell
  4. 2nd Lt. William W. Flood
  5. S/Sgt. Robert G. Haglund
  6. S/Sgt. Mark E. Imlay
  7. Sgt. William J. O'Brien
  8. Sgt. Thomas J. Spagnolo

Die Bergung des Flugzeugwracks

Nachdem seit langer Zeit über die Bergung bzw. Entsorgung der Wrackteile aus der freien Naturlandschaft nachgedacht wurde, nahm schließlich Bürgermeister Ernst Daum mit Unterstützung des Obmannes des Ortsverbandes des ÖKB Gotthard Wibmer die Angelegenheit in die Hand. Am 6. September 2002 erfolgte mit Hilfe von Freiwilligen des Kameradschaftsbundes, der Berg- und Naturwacht, der Bergrettung und der Gemeinde Kleinsölk die Bergung mittels eines Hubschraubers, welcher die noch vorhandenen Teile auf die Putzentalalm flog.

Die Errichtung der Gedenkstätte

Als bekannt wurde, dass die Katastrophe acht Menschenleben gefordert hatte, war der Gedanke, eine Gedenkstätte zu errichten schnell geboren. Ein Turbolader und eine Propellernabe wurden daher zurückbehalten. Diese Teile wurden im Mai 2003 vom passionierten Kunstmaurer Herbert Grundner und seinen Helfern Fritz Klein, Johann Perner und Bernhard Stücklschweiger in das an die Verunglückten erinnernde Mahnmal (geographische Koordinaten N47° 15.844' E13° 52.104') eingearbeitet. Dieses sollte nach den Vorstellungen des inzwischen plötzlich verstorbenen Bürgermeisters Ernst Daum († 22. November 2006 mit 57 Lebensjahren) der Hauptbestandteil eines neu zu errichtenden Friedenssteiges von der Putzentalalm zum Prebertörl werden.

Die Suche nach Angehörigen

Der Versuch, mit Überlebenden selbst oder den Angehörigen der Überlebenden und Toten in Verbindung zu treten blieb lange Zeit ohne Ergebnis, da ein Großteil der Schriftstücke in die USA unbeantwortet blieb.

Erst durch die technische Entwicklung und den Einsatz des Internet konnte im Oktober 2007 durch einen glücklichen Zufall erstmals ein Sohn des Harry P. Hillhouse ausgeforscht und mit ihm Kontakt aufgenommen werden.

Die Suche im Internet gestaltete sich äußerst kurios: Richard Pieber aus Predlitz im Murtal ist Hobbyhistoriker und hat großes Interesse an den Flugzeugabstürzen des Zweiten Weltkrieges in den Niederen Tauern. Er konnte durch seine großen Erfahrungswerte viel zum Projekt beitragen. Er war es auch, der Jing Zhou[2], einen in Deutschland lebenden, eingewanderten Vietnamesen, um die Mithilfe bei der Suche nach den Überlebenden ersuchte. Dieser hat im April 2003 im Forum der US-AirForce unter dem Titel contact to two crewmembers eine Suche gestartet, auf welche Doug Hillhouse im Jänner 2006 stieß und eine Antwort eintrug. Jing Zhou hatte durch einen Computercrash viele Daten verloren. Warum eine Antwort auf Doug Hillhouse’s Meldung unterblieb ist nicht genau nachzuvollziehen.

Durch einen Zufall ist Manfred Brandner, der sich inzwischen um dieses Projekt annahm, auf diesen Eintrag gestoßen, woraufhin Richard Pieber verständigt wurde. Dieser versuchte die Kontaktaufnahme mit Doug Hillhouse, welcher auch umgehend antwortete. Die Bemühungen wurden von Manfred Brandner fortgesetzt, vor allem galt es nun die zweite überlebende Person zu finden, welche möglicherweise noch am Leben war. Die Möglichkeit, Angehörige der Crewmitglieder über behördliche Wege zu finden, war auf Grund datenschutzrechtlicher Bestimmungen de facto auszuschließen. Vielmehr sah man nur mehr als Chance „Kommissar Zufall“.

Plötzlich kam eine Antwort von der amerikanischen Botschaft in Wien, welche die Kontaktaufnahme zu GI-Trace anriet. Dies ist eine Organisation, welche sich mit der Suche nach ehemaligen amerikanischen Soldaten und Angehörigen beschäftigt.

Deren ehrenamtliche Mitarbeiterin Sally Vincent in England konnte mit ihrer ausgezeichneten intensiven Arbeit die Familie des zweiten Überlebenden Roy T. Patterson, sowie später auch Angehörige aller restlichen Besatzungsmitglieder ausforschen und informieren.

Die Einweihungsfeier

Für Doug Hillhouse war klar, dass er die Stationen seines Vaters im Zweiten Weltkrieg besichtigen wollte. Ebenso haben auch die Angehörigen des Robert G. Haglund Interesse an der Teilnahme einer Einweihungsfeier bekundet. Und so wurde festgelegt, diese am Samstag, den 9. August 2008 durchzuführen. Es sollte ein großartiger Tag für Kleinsölk werden.

Die Feier wurde durch die Anwesenheit hochranginger Ehrengäste und vor allem durch die angereisten Angehörigen zu einem außergewöhnlichen Ereignis, mit welchem sich die Gemeinde Kleinsölk hervorragend präsentieren konnte. Auf Grund der schlechten Wetterlage fand die Zeremonie in der Putzentalalm statt. Bürgermeister Georg Stücklschweiger eröffnete den von der Musikkapelle Kleinsölk eingeleiteten Festakt und konnte dazu viele Ehrengäste, besonders Doug Hillhouse aus Georgia (USA), Sohn des Harry P. Hillhouse mit seiner Frau, sowie Marge Tetens aus Minnesota (USA), eine Schwester des tödlich verunglückten Robert G. Haglund in Begleitung von zwölf weiteren Angehörigen aus USA und Deutschland begrüßen. Anwesend waren darüber hinaus Sally Vincent mit ihrem Gatten und zwei Freunden, alle aus Großbritannien. Die amerikanische Botschaft war durch den Air Attaché Lt.Col. Richard McCleary vertreten, das Österreichische Bundesheer durch Obstlt. Unterdechler und einer Ehrenwache.

Für den Österreichischen Kameradschaftsbund waren Landes-Vizepräsident Peter Dicker und Bezirksobmann DI Franz Laimer anwesend, für die politische Vertretung sorgte LAbg. Karl Lackner. Manfred Brandner informierte über den Flug, das Schicksal der Besatzung, die Bergung des Wracks 2002 und den Bau der Gedenkstätte, sowie über die Suche nach den Angehörigen. Pfarrer Johann Glawogger gestaltete eine Andacht und segnete schließlich die Tafel. Unter den Klängen der Melodie des Liedes „Näher, mein Gott, zu dir“ wurde von ÖKB-Landes-Vizepräsident Peter Dicker und Air Attaché Lt.Col. Richard McCleary ein Kranz im Gedenken an die unvergessenen Opfer des Zweiten Weltkrieges und im Besonderen jene dieses Flugzeugabsturzes niedergelegt. In den Ansprachen wurde die Wichtigkeit der Völkerverständigung besonders hervorgehoben. Dass nach all den Geschehnissen nach mittlerweile 64 Jahren österreichische, deutsche und amerikanische Staatsbürger nebeneinander an dieser Stelle stehen, ist wohl das wichtigste und symbolträchtigste Zeichen, welches gesetzt werden kann. Es geht um den Frieden im Land und in der Welt.

Der Obmann des ÖKB, Ortsverband Kleinsölk, Martin Grundner dankte abschließend allen, die sich in diesem Projekt beteiligt haben, im Besonderen Manfred Brandner, der zu einem großen Anteil maßgeblich beigetragen hat, dieses von Bürgermeister Ernst Daum initiierte Vorhaben zu einem vorläufigen Ende zu bringen. Vorläufig deshalb, weil die amerikanischen bzw. deutschen Gäste dieses außergewöhnliche Projekt mit so großer Dankbarkeit aufgenommen haben, und vielfach zu hören war, dass dies erst der Anfang einer großartigen, freundschaftlichen Beziehung ist.

Weblinks

Quellen

  • E-Mail-Adresse Manfred Brandner Verfasser dieses Artikels
  • Richard Pieber, Predlitz
  • Mag. Wolfgang Wittmann, Linz
  • Beer, Siegfried; Karner, Stefan; Krautzer Thomas; Tropper, August: Der Krieg aus der Luft; Kärnten und Steiermark 1941 – 1945, Weishaupt Verlag, ISBN 3-900310-38-6
  • MACR-Report 10081
  • Ernst Daum, Kleinsölk
  • Franz Schnepfleitner, Altirdning
  • Gebhard Franz Ladreiter, Kleinsölk
  • Herbert Grundner, Kleinsölk
  • Manfred Brandner, Kleinsölk
  • Richard Kutschera, die Fliegerangriffe auf Linz im zweiten Weltkrieg
  • Squadron/Signal Publications, Walk Around B-17 Flying Fortress, Number 16
  • Jeffrey L. Ethell, Air Command, Fighters and Bombers of World War 2

Einzelnachweise

  1. siehe Wikipedia Boeing B-17
  2. er betreibt eine Internetseite www.b17flyingfortress.de