Erzherzog Johanns erster Besuch in Schladming

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Erzherzog Johanns erster Besuch in Schladming erfolgte im Rahmen seiner ersten große Alpenwanderung in der Steiermark mit einer kleinen Begleitung im Jahre 1810.

Die Wanderung

Die Wanderung begann am 27. August mit einer Überquerung des Dachsteinsmassives bis nach Ramsau am Dachstein, weiter über Schladming ins Untertal zum Riesachsee und zur Waldhornalm. Von dort wanderte die Gruppe in die Sölktäler und in die Walchen, um dann im Schloss Gstatt bei Öblarn wieder einen Rasttag einzuschalten. Das Ziel dieser Wanderung war am 5. September das Benediktinerstift Admont.

Der Erzherzog führte ein Tagebuch, in dem er all seine wirtschaftlichen, sozialen und naturkundlichen Wahrnehmungen vermerkte. Interessante Aufzeichnungen aus volkskundlicher Sicht machte er aber auch über das Leben und Wohnen der bäuerlichen Bevölkerung. Aus den umfangreichen Tagebucheintragungen des Erzherzoges seien hier auszugsweise nur jene Stellen wiedergegeben, die sich auf den Teilbereich der Wanderung vom Dachstein bis zum Riesachsee beziehen.

auf der Höhe vor Gjaid erblickt man das hohe Schneegebirge (Dachstein); erst da kann man sich überzeugen, wie hoch dassselbe ist. Ich folgte dem Steig in den Kessel abwärts, wo die Hütten sind. Zwei Sennerinnen von der Ramsau bei Schladming waren da. Gjaid hat einen hübschen Boden, in der Mitte einen kleinen Sumpf, weil das von den Quellen zuströmende Wasser keinen Abfluß hat. Hier liegen kahle Höhen; von der Störerhütte, wo ich war, konnte vor mir die Wand des Gjaidstein und des hohen Kreuzes, von oben von großer Schneeflecken bedeckt, sehen.

Nachmittags bestieg ich einen etwas nördlich gelegenen Hügel, von welchem ich das Schneegebirge überblickte. Unten eine halbe Stunde liegt das Taubenkar, von Gjaid eineinviertel Stunden zu gehen. Diese Alpe ist verlassen und wird bloß von Geltvieh[1] besucht wegen Mangel an Holz zum Hüttenbau. Im Gjaid ließ ich mir von der Sennerin die ganze Wirtschaft beschreiben. Abends waren Geiger und Pfeifer da, und von Schladming kamen Bauern mit ihren Alphörnern (Wurzhörnern). Sie sind wie Posauen gemacht, von Lärchenholz und mit Bast umgeben und geben einen reinen, angenehmen, aber zugleich traurigen Ton.

Das Blasen der Schwegel, das des Hornes und des Jodeln der Sennerinen, die es vortrefflich können, ist in einem Gebirge, wo es allenthalben wiederhallt, einzigartig in seiner Art. Abends um 9 uhr begab ich mich zur Ruhe.

Den 28. August, früh um 9 Uhr ging es weiter durch Schönbichel, zwei Stunden bei Modereck vorüber, Lacken links lassend. Die Aussicht ist herrlich. Könnte der Dachstein erstiegen werden, so wäre dieses Bild vielleicht eines der schönsten.

Nach einer ausführlichen Beschreibung all seiner Eindrücke, die Erzherzog Johann während dieses Tages seiner Alpenwanderung gewann, setzt er in seinem Tagebuch fort:

Von der Ramsau, wo ich mich einige Stunden aufhielt, geht es, da sie beträchtlich höher leigt als Schladming, erst über einen waldigen Hügel, dann steil hinunter. Müde kamen wir Abends in Schladming an und gingen erst um 10 Uhr zu Bette.

Rasttag in Schladming

Der 29. August war Rasttag. Es wurde der Entwurf zur weiteren Bereisung der Täler Schladming und Sölk gemacht und ich schrieb mein Tagebuch bis heute. Hier in Schladming ist ein gräflich Batthynisches Hammerwerk; es nimmt Vordernberger, auch etwas Innerberger Flossen und erzeugt Grobeisen und Grobstahl, welches vorzüglich nach Salzburg und Bayern geht; auch besteht hier ein Kupferhammer ohen Beschäftigung. Ein kaiserlicher Waldmeister ist hier der Waldungen wegen, dann ein montanistischer Beamter der Einlösung halber. Theodor Graf von Batthyani baut in den Schladminger Täler auf Blei und Silber, die Kupfergruben stehen; der kaiserlichen Silberbau wird schwach betrieben, der Kobaltbau ebenfalls; der beste im Josephi-Stollen wird von der Wiener Gewerkschaft verkauft werden; die Blende wird gar nicht benützt. Über alles dieses werde ich noch Daten einziehen. Der Markt ist ziemlich groß und hat einen eigenen Bezirk, der aber sehr arm ist. Etwas Ackerbau und Viehzucht und einige Handwerke, das ist alles was in demselben betrieben wird. Ein katholischer Pfarrer, dessen Gemeinde aber gering, ein braver Mann, und ein evangelischer, der die meiste Bauernschaft unter sich hat, sind hier und leben in der besten Einigkeit.

Bären, Gemsen unter diesen eine kleine Gattung zwischen 20-30 Pfund schwer, mit hohen Beinen und rot gefärbt, bewohnen das Gebirge; auch Wölfe, Luchse und vorzüglich große Gemsgeier kommen vor, die vielen Schaden verursachen, weil sie das Kleinvieh wegtragen und sogar auf größeres Vieh, wenn es herabstürtzt, zu verzehren.

Von großen Eidechsen, welche die Menschen anpacken und in den hohen Klippen am Eie vorkommen sollen, geht die Sage, aber es ist gewiß ein Märchen. Ich blieb den ganzen Tag zu Hause, um meine Sachen abzuthun; die zweite Kiste wurde abgeschickt, sie enthielt die selteneren Sachen von dem Stein. Der Apotheker von Radstadt kam zu mir; er geht morgen mit in die Schladminger Alpe, er scheint Kenntnisse zu besitzen.

Ich hatte wenig Ruhe, den ganzen Tag kamen Leute zu mir, auch Bauern, die mir ihre Anliegen vortrugen; ich war froh mit ihnen sprechen zu können, denn ich erfuhr Manches, was bemerkenswerth ist. Wegen der Klage ob Überbürdung beruhigte ich sie; daß nämlich diese Gegenstand bei dem heutigen Landtage vorgenommen und zur Entscheidung vorgelegt worden ist.

Eine andere Klage war, daß sie so große Abschüttungen an ihre Herrschaften haben; einige sind Meier oder Hofbesitzer und ziehen den Zehent von mehreren anderen Bauern, meist kleinen; sie selbst leisten ihn der Herrschafft. Nun findet es sich, daß diese kleinen Bauern mehr Weide bedürfen, folglich ihre Äcker als Eggarten liegen lasseb, deshalb wird der Zehent auch geringer, die Abschüttung an die Herrschaft aber bleibt gleich; da wünschen die Bauern eine Abhilfe.

Sie klagten auch über die Dienstboten und ihre Forderungen. Sie wünschten sehnlichst eine [[swiki:[[swiki:swiki:Dienstboten[2]]][3]]][4]-Ordnung, vorzüglich das, wenn der Leihkauf einmal gegeben, der Knecht verpflichtet sei, die vorgeschriebene Zeit zu bleiben. Sie versicherten mich, lieber Knechte als Bauern zu sein. Endlich konnte ich aus ihren Reden merken, daß es hier in Schladming ziemlich unordentlich zugehen müsse. Sie haben keinen Marktrichter. Es scheint, dass niemand diesen Platz wünscht. Dann beschwerten sie sich, daß ihnen Anstand gemacht wird, Holz zu bekommen, weil der Hammer alles bedarf; darüber muß ich noch Aufschluß erhalten.

Die vorhin zitierten Tagebucheintragungen Erzherzog Johanns sind für Schladming von besonderem lokalgeschichtlichem Wert, da sie die wirtschaftliche und soziale Situation des Marktes in der Nachwirkung der Franzosenkriege deutlich machen. Wenn der Erzherzog vermerkt „sie haben keinen Marktrichter”, dann ist dies aus der bekannten Tatsache abzuleiten, dass seit 1530 der Kampf um die freie Wahl eines Marktrichtfers im Gange war.

Vielfach wurde Erzherzog Johann auch von den Schladmingern mit damals aktuellen Fragen des erschwerten Zahlungsverkehrs konfrontiert. Nicht zu unrecht schreibt darüber der Prinz in seinem Tagebuch: „Das ist wahrlich eine harte Sache! Ich dachte, besser wäre es gewesen, den Leuten keine Schuldscheine zu geben und das Ganze als eine leider unvermeidliche Last des Krieges hinzustellen, als sie nicht zu entschädigen und doch die Hoffnung der Zahlung zu nähren."

Folgen wir aber nun der weiteren Wanderung, die der Erzherzog mit seinem Gefolge bis zum Riesachsee zurücklegte.

Den 30. August. Äusserst günstig war an diesem Tage das Wetter. Ich trennte mich von meinem Wagen, nahm das Nothwendigste mit und stieg zu Pferde. Ungemein anlockend waren für mich die schönen:Gemsgebirge, bis oben bewachsen und doch hoch, jene welche die südlich der Enns gelegenen Thäler umschließen. Schladming verließ ich um acht Uhr früh und folgte dem Bache gleichen Namens aufwärts. Gleich am Orte liegt der gräflich Batthyanische Eisenhammer und der Kupferhammer; da sie keine besondere Einrichtung vor anderen haben, so besah ich sie nicht. Der Schladminger Bach strömt aus einer engen Schlucht zwischen Felsen hervor. Unten an demselben ist die Straße geführt. Ein heftiger Regenguß hatte sie vor einigen Wochen zerrissen, ich mußte daher die höhere einschlagen, die mir aber die gewünschte Gelegenheit verschaffte, die umliegende Gegend besser zu übersehen. Der Berg heißt der Fastenberg, gegenüber am linken Ufer sieht man den schönen Rohrmoosberg, voll Höfe, ganz bebaut, wo auch die wohthabenderen Bauern sich öefinden. Alles war eben mit dem Schnitt begriffen, eine gute Ernte lohnte ihren Fleiß. Nicht bald sah ich so schöne üppige Früchte. Eine halbe Stunde von Schladming trennt sich das Ober- und Unterthal, ersteres, enger und rauher, doch weit merkwürdiger als das Unterthal, weil dort alle alten und noch betriebenen Gruben sich befinden. Ich spare mir sie zu besuchen auf künftigen Sommer. Ich folgte dem Unterthal immer auf der Höhe fort, eine Stunde weit sind noch Bauernhöfe die letzten sind beim Tetter und Rochel. Hier erreichte ich wieder die alte Straße und folgte ihr. Über der Seeleiten längs, des Baches befindet das Wasser einen herrlichen Fall, er ist einer der schönsten Fälle die ich je sah. Eine halbe Stunde hat man zu steigen bis man die Höhe erreicht hier ist schon Alpenweide und in einem Kessel liegt der Riesacher See. Die Gegend ist äußerst angenehm, ein Kranz grüner Alpen umgibt sie."

Einzelnachweise

  1. Zum Galtvieh zählen weibliche Rinder bis zur ersten Abkalbung sowie Stiere und Ochsen unter 2 Jahre (Jungstiere), Quelle Wikipedia Alm (Bergweide)
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Quelle