Ernst Ehrlich

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Ernst Ehrlich (* 28. August 1885 in Unterdrauburg [jetzt Dravograd, Slowenien]; † 26. August 1964 in Gröbming) war Bezirksförster und Mineralien-, Gesteins- und Fossiliensammler im Ennstal.

Leben

Ausbildung

An Ernst Ehrlich können sich in Schladming nur mehr wenige ältere Menschen erinnern. Diese wissen auch noch von seiner großen Mineralien-, Gesteins- und Fossiliensammlung, seinem Hobby, dem er bis zu seinem Tode treu blieb. Da aber keine Nachkommen oder näheren Verwandten mehr in dieser Gegend leben, war es einigermaßen schwer, konkrete Angaben über seine Person, seinen Lebenslauf etc. zu bekommen. Auf Grund der Nachforschungen ergibt sich folgendes Bild über seinen beruflichen Werdegang, der, so viel man sehen kann, innig mit seiner Sammeltüchtigkeit verquickt war.

Ehrlich wurde am 28. August 1885 in Unterdrauburg (jetzt Dravograd in Slowenien) geboren. Das Gebiet gehörte damals zur Habsburgermonarchie. Sein Vater war bereits in der staatlichen Forstaufsicht als Oberförster dort tätig. Der Sohn Ernst kam nach Absolvierung des Untergymnasiums zur Forstverwaltung des Grafen Meran in Stainz (Steiermark), um in die Forstpraxis eingeführt zu werden. Dann konnte er 1903 die k. k. Försterschule in Gußwerk bei Mariazell, Steiermark, beziehen. Er machte dort auch die Staatsprüfung für den staatlichen Försterdienst. Sein erster Dienstort als Forstadjunkt war bei der k. k. Versuchsanstalt in Maria Brunn bei Wien. Dort arbeitete er ein Jahr und kam dann in den forsttechnischen Dienst nach Bruck an der Mur, Steiermark. Sein dortiger Chef war ein begeisterter Geologe und zog Ernst Ehrlich auch zur Mitarbeit bei seiner Freizeitbeschäftigung, dem Sammeln und Bestimmen von Gesteinen, Mineralien etc., heran. Dass es sich dabei nicht um eine Sammeltätigkeit im üblichen Sinne handelte, geht daraus hervor, dass sich im Nachlass Ehrlichs eine beachtliche Zahl von wissenschaftlichen Büchern und Schriften befand, die aus dem vorigen Jahrhundert stammen und die Ehrlich wahrscheinlich von seinem damaligen Chef übernahm oder überlassen wurden. Wir geben später noch eine kurze Beschreibung der von Ehrlich hinterlassenen Bücher und Schriften, unter denen sich auch die seines seinerzeitigen Chefs in Bruck befinden.

In der von mir (Anm: Autor des Artikels) zur Ordnung und Inventarisierung übernommenen Sammlung befanden sich nun etwa 550 Gesteinsproben, über 100 Mineralproben und 50 Versteinerungen aus der Gegend um Bruck und den Tälern und Nebentälern der Mürz, der Mur und benachbarten Orten. Speziell bei den Gesteinsproben handelt es sich zum großen Teil um kleine Stückchen, die Ehrlich offensichtlich als mikroskopische Vergleichsproben benützte. Sie wurden von mir als „Miniproben" im neuen Inventar bezeichnet. Jedenfalls wurde in Bruck an der Mur die Grundlage für ein Interessensgebiet gelegt, das Ehrlich Zeit seines Lebens nicht mehr losließ.

Heirat und Kriegsjahre

Im Jahre 1909 wurde Ernst Ehrlich von Bruck an der Mur nach Feldbach versetzt, wo er am 1. Juli 1909 die Grundbesitzerstochter Marei (Maria) Ramert heiratete, die aus Klein Mohrau in Schlesien, einem Ort am Altvatergebirge, stammte. In Feldbach setzte Ehrlich sein Hobby, das Sammeln und Bestimmen von Mineralien, Gesteinen und Fossilien, fort. Das ehemals vulkanische Gebiet um Feldbach, Gleichenberg und Fürstenfeld (alle Steiermark) bot natürlich ein ergiebiges Feld für sein Hobby. 150 Objekte stammen allein aus diesem Gebiet und weitere 200 Objekte aus der West- und Südsteiermark. Ob er diese Gebiete von Feldbach aus begangen hat, ist nicht eruierbar.

In weiterer Folge wurde Ehrlich auch ins swiki:Küstenland[1], nach Triest (heute Italien) und Pazin in Istrien versetzt. Am Beginn des Ersten Weltkrieges war er in Cilli (damals Untersteiermark, heutiger Name Celje, südwestlich von Marburg, Maribor im heutigen Slowenien). Aus diesen, vorhin genannten Gegenden stammen ebenfalls Mineralproben. Ehrlich war vom Militärdienst freigestellt, weil er durch eine Erkrankung an Scharlach seit dem Kindesalter gehörgeschädigt war. Nach dem Kriegsende wollte er nicht in seinem Wirkungsbereich in der Untersteiermark bleiben, da dieses Gebiet an Jugoslawien gefallen war.

Seine Zeit im Ennstal

1918 übersiedelte Ernst Ehrlich nach Schladming und übernahm hier den Forstaufsichtsdienst der Bezirkshauptmannschaft Gröbming. Hier wirkte und lebte Ehrlich bis zu seinem Tode am 26. August 1964 im Hause „Aschenbrödl", wo er auch seine umfangreiche Sammlung untergebracht hatte. Ehrlichs Grabstätte befindet sich im katholischen Friedhof in Schladming, wo er an der Seite seiner am 26. April 1952 verstorbenen ersten Frau beigesetzt wurde. Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Ernst Ehrlich deren Schwester Anna Rosa, die ihm bis zu seinem Tode den Haushalt führte.

Ehrlich war auch im Zweiten Weltkrieg nicht eingerückt und übte seinen Aufsichtsdienst in Schladming bis 1947 aus. Er wurde von Bezirkshauptförster Hans Pretterebner abgelöst, der auch schon im Ruhestand ist, aber noch in Schladming wohnte (Stand 1984). Dieser beschrieb Ehrlich als einen in seiner Berufstätigkeit äußerst genauen und sorgfältigen Beamten, der auch im Umgang mit Menschen immer freundlich war. Seine Schwerhörigkeit, die sich im Laufe der Jahre kaum gebessert haben dürfte, persönliche und familiäre Schwierigkeiten und schließlich vielleicht auch sein für viele Zeitgenossen etwas ausgefallenes Hobby haben ihn vielleicht so manchem als Sonderling erscheinen lassen.

In seiner Schladminger Zeit ging Ehrlich natürlich weiter seiner geliebten Freizeitbeschäftigung nach und machte Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in dem ehemaligen Bergbaugebiet der Schladminger Tauern. Aus dem interessanten Zinkwand-Vöttern-Revier stammen allein 250 Erzproben. Bei der Bestimmung der Funde hatte Ehrlich mit Prof. Dr. O. M. Friedrich von der Montanuniversität Leoben engen Kontakt, der ja einer der besten Kenner der Schladminger Lagerstätten ist. Ehrlich hat offensichtlich auch bei mehreren Schurfen an der Zinkwand mitgewirkt. Skizzen mit einer Art Schießplan (Nr. 116 des Schrifteninventars) weisen darauf hin. Solche Schürfe erfolgten in den Jahren 1924 und 1934. Die derzeitige Sammlung enthält aber auch Erzproben von sämtlichen anderen bekannten Abbauorten im Schladminger Obertal: etwa weitere 100 Objekte. Aus Anmerkungen Ehrlichs geht auch hervor, dass er bei Aufbrüchen speziell im Eschach mit tätig war.

Einen besonders großen Raum in der Sammlung nehmen die Fossilien aus den swiki:Werfener Schichten am Fuße des Dachsteinmassivs in der Ramsau ein. In dieses Spezialgebiet ist Ehrlich ganz besonders tief eingedrungen, wobei er eng mit dem Joanneum in Graz zusammenarbeitete. Eine große Zahl von Gipsabdrücken von Gervilien (kleine Muscheln aus der alpinen Trias) zeugt von dieser Zusammenarbeit. Die Originale dieser Abdrücke befinden sich im Joanneum in Graz. Als Beweis dieser intensiven fachlichen Tätigkeit liegt eine Veröffentlichung Ehrlichs aus dem Schriften-Nachlass vor: „Aus den Werfener Schichten des Dachsteingebietes bei Schladming" in der Schriftenreihe der „Mitteilungen des Museums Joanneum in Graz", Heft 5 (1941). Aus den gleichen Fundorten in den Werfener Schichten stammen aber noch hunderte von Proben anderer Muscheltiere aus der damaligen geologischen Periode. Ihre Ordnung und Inventarisierung ist derzeit noch im Gange. Insgesamt dürfte das Werfener Material einige tausend Objekte umfassen!

Während der Schladminger Zeit hatte Ehrlich auch viele andere Orte im oberen Ennstal, nördlich und südlich davon begangen und Fundproben genommen. Besonders intensiv studierte er aber bei Werfen im Salzachtal die Mineralparagenese des Höllgrabens und seiner nächsten Umgebung. Rund 290 Objekte in der Sammlung zeugen von dieser Tätigkeit.

Von Schladming aus hat Ehrlich aber auch Exkursionen ins Salzkammergut unternommen. 180 Sammelobjekte von Versteinerungen stammen allein vom Feuerkogel bei Ebensee, Oberösterreich.

Seine Sammeltätigkeit führte Ehrlich auch in den Salzburger swiki:Pongau und swiki:Pinzgau. Zahlreiche Objekte stammen aus den Gebieten swiki:Mitterberghütten und swiki:Saalfelden-swiki:Leogang (Anm.: das sind montanistisch wichtige Erzzentren im Bundesland Salzburg). Ob Ehrlich auch Exkursionen nach Kärnten, nach Tirol und Südtirol unternommen hat, kann nicht behauptet werden. Aus Kärnten stammen viele Objekte aus den Gebieten um Dellach und Oberdrauburg bzw. Bleiberg (swiki:Bleiberger Bergbau) und swiki:Hüttenberg. Ehrlich hatte mit vielen Geologen, Mineralogen und Paläontologen Verbindung, von denen ihn auch viele in Schladming besuchten, sodass er viele Objekte nicht selbst gesammelt haben muss. Ehrlich konnte auf seine Sammlung auch stolz sein und zeigte sie Fachkollegen sicherlich gerne her. Manches schöne und wertvolle Objekt mag dabei wohl verschenkt worden sein.

Die derzeitige Sammlung weist auch etliche Objekte aus Südtirol auf. Auch hier ist es fraglich, ob er sie selbst an Ort und Stelle genommen hat. In Südtirol interessierte ihn verständlicherweise die alpine Trias (z. B. aus Predazzo).

Eine größere Zahl von Sammelobjekten stammt ferner aus Niederösterreich und der Verfasser gewann den Eindruck, dass Ehrlich viele davon selbst gesammelt hat. Eine Zahl von Fossilien speziell aus dem Wiener Bereich weist darauf hin.

Rund 200 Objekte stammen aus verschiedenen Ländern Europas und auch aus Übersee. Davon kommen allein 50 Objekte aus den Erzbergbau-Gebieten Sachsens, Böhmens, Mährens und der Slowakei. Ob er selbst an manchen dieser Orte war? Es ist reizvoll anzunehmen, dass er bei dieser Gelegenheit auch dem Geburtsort seiner ersten Frau einen Besuch abgestattet hat.

Sonstiges

Ernst Ehrlich war Mitglied im Naturwissenschaftlichen Verein für Steiermark.

Nachsatz

Der Verfasser dieser Erinnerungsschrift, der sich auch der Ordnung und Bestandsaufnahme der „Ehrlich-Sammlung“ unterzog, wurde vom Joanneum in Graz durch Univ. Doz. Dr. Fritz Ebner unterstützt und beraten. Tatkräftige Unterstützung leisteten in diesem Zusammenhang auch Eva Streicher vom Stadtmuseum und Stadtamtsvorstand Wolfgang Pitzer.

Eine so umfassende und lebendige Schilderung des beruflichen Werdeganges von Ehrlich in Verbindung mit seiner Sammeltätigkeit war aber nur dadurch möglich, dass mich der Nachfolger von Ehrlich in der Schladminger Dienststelle, Bez. Hauptförster Hans Pretterebner, auf einen noch lebenden Neffen aufmerksam machte. Es ist dies Amtsrat i. R. Ing. Norbert Ehrlich in Villach.

Quelle

Einzelnachweis

  1. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWiki