Erlesener Dachstein

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Erlesener Dachstein
Erlesener dachstein.jpg
Buchdaten
Autor: Josef Hasitschka, Adi Mokrejs
Verlag: Schall-Verlag
Erschienen: September 2015
ISBN: ISBN 978-3-900533-82-3
Seiten: 436

Erlesener Dachstein ist ein Bergsteigerbuch über das Dachsteingebirge.

Klappentext

Der Dachstein zählt zu den bekanntesten Bergen Österreichs und bildet ein Wahrzeichen für zwei Regionen – das Ennstal und das Salzkammergut. Für Alpinisten ist das Dachsteinmassiv ein perfektes, vielseitiges Gebirge, im Sommer wie im Winter, mit einer Erlebnispalette vom staunenden Naturgenuss über individuelle Entdeckerfreuden bis zu bergsportlichen Hochleistungen – sei es auf persönlichem wie auf allgemeinem Niveau. Touristische Betriebsamkeit und fast beklemmende Einsamkeit finden sich hier in enger Nachbarschaft, ebenso wie Momente seelischer und abgrundtiefer Tragödien.

Vorwort von Adi Mokrejs

  • Literarische Treppe zum Dachstein - Der Bücherberg.

Der Stapel all dessen, was schon über den Dachstein geschrieben wurde, hätte mittlerweile beinahe selbst die Höhe eines Berges erreicht. Er umfasst die verschiedensten Genres, von Erlebnisschilderungen in alten Jahrbüchern und Zeitschriften über historische oder romanhaft angelegte Werke bis zu einer großen Zahl spezialisierter Abhandlungen aus allen erdenklichen Wissenschaftsbereichen. DAS umfassende, alle Bereiche abdeckende Dachsteinbuch kann es eigentlich gar nicht geben. Manche Leser werden daher möglicherweise ein Lieblingsthema vermissen – doch auf sämtliche Aspekte der Dachsteinlandschaft einzugehen, kann nur ansatzweise gelingen: allein die Einbeziehung des lokalen Geschichten- und Anekdotenschatzes würde eine mehrbändige Edition erfordern. Also: Dies soll in erster Linie ein Buch für jene Bergbegeisterten sein, welche diesem angeblich verstaubten Medium nach wie vor die Treue halten.

Das Hauptgewicht dieser Textsammlung liegt auf möglichst originalen Berichten, angefangen von den frühen Reisenden über Erstbegehungen bis zu packenden neueren Erlebnisschilderungen. Angesichts eines sich immer schneller wandelnden Alpinismus handelt es sich im Grund um Berichte aus nicht mehr existierenden Milieus, von denen ansonsten kaum ein Zeugnis bliebe. Die Klettergötter von einst haben ihr Ablaufdatum überschritten, ihre Namen keinen Klang mehr – dabei waren sie vom gleichen Feuer, der gleichen Verrücktheit beseelt, verspürten Flow und natural Hights wie die heutige Kletterszene, die zwar eine andere Sprache spricht, doch in gewisser Weise auf ihren Schultern steht und die bei der Lektüre eine enge Verwandtschaft entdecken könnte. Um in einem vertretbaren Umfang zu bleiben, war wegen der Größe des Dachsteingebietes die Fokussierung auf einige prominente Gipfel und Wände nötig. Ebenso ergibt sich damit die Konzentration auf eine begrenzte Zahl von Themengruppen, welche in ihrer Gesamtheit dennoch einen umfassenden Eindruck dieser vielgestaltigen Landschaft sowie ein Abbild zeit- und alpingeschichtlicher Hintergründe vermitteln können.

  • Zeitspiegel:

Innerhalb der einzelnen Kapitel wurde eine möglichst chronologische Abfolge gewählt, um die alpinistischen, gesellschaftlichen und sprachlichen Veränderungen von den ersten alpinen Pionieren bis zu oft seltsamen Entwicklungen der Gegenwart deutlich zu machen. Die Verfasser der älteren Artikel mussten im Kopf der Leser aus Buchstaben Bilder entstehen lassen, während in der neueren „alpinen Literatur“ (wobei kluge Leute schon den Begriff an sich in Zweifel ziehen) das Angebot an guten und anschaulichen Texten schmäler wird. Abgesehen vom zeitbedingten Wandel von schönheitstrunkener Naturschilderung über eine Blut-&-Boden-Metaphorik zu individualistischer Selbstbetrachtung hat nun offenbar der Strom an unentwegt verfügbaren Fotos die Kunst des Formulierens weitgehend erübrigt. Früher war – nein, nicht alles besser! Manche Schilderung erweist sich als süßliche Verklärung einer angeblich schöneren Vergangenheit, und wer exzellent oder einfach nur mit Begeisterung klettert, wird und wurde deshalb nicht unbedingt zum Literaten. Doch wer in seinen Aussagen klar und entsprechend seinem Sprachvermögen aufrichtig blieb, erstellte zumindest ein lesenswertes Zeitdokument. Außerdem: angesichts der stärksten Gefühlsregungen fehlt es der menschlichen Sprache ohnedies meist an geeigneten Ausdrucksmöglichkeiten. Dagegen finden wir Passagen voll unfreiwilliger Komik, wenn sich Schreiber offensichtlich „von der Muse gebissen“ fühlten, das Zeitkostüm dieser Muse aber nun als eher peinliche Maskerade wirkt.

In erfrischendem Kontrast dazu stehen dann – quer durch alle Epochen – die einfach gut erzählten Geschichten oder so zeitlos wirkende Beiträge wie die schnörkellosen Texte aus den Tagebüchern von Erzherzog Johann: ohne den Anspruch, Literatur produzieren zu wollen, aber aussagekräftig und voll Empathie, schlicht wie die von ihm geschätzte ländliche Kleidung, und ebenso wie diese alle Modeströmungen überdauernd. Lese-Stoff. Da es sich hier um kein literaturhistorisches Werk, sondern um Lesestoff für ein alpinistisch interessiertes Publikum handelt, wurden manche Schilderungen gerafft: viele wären in ihrer langatmigen Gesamtheit nur einem Fachforum zumutbar. Ebenso wurden zur Vermeidung von Überschneidungen bei einigen Erlebnisberichten Kürzungen vorgenommen, da diese oft mit der gleichen kompletten Erschließungsgeschichte beginnen. Hingegen wurde (nachdem die Recherchen zu diesem Werk Grenzen und Lücken digitaler Datenbanken aufzeigten) den Ersteigungsberichten eine alpinhistorische Auflistung beigegeben, als eine Art Gästebuch alpiner Prominenz: wo sonst, wenn nicht in einem solchen Buch, dürfte man sich den Luxus leisten, derlei Fakten vor dem Verschwinden zu bewahren? Den Kletterstorys ist jeweils eine Art „technische Anleitung“ in Form einer Schwierigkeitsbewertung und Routencharakteristik angefügt, basierend auf dem Dachsteinführer von Willi End. Dies mag vielleicht als entzaubernde Versachlichung empfunden werden, doch lässt sich anhand dieser Konstante die subjektive, rückblickend oft übersteigert wirkende Erlebniswelt der Autoren ermessen.

Simony’s Beschreibung seines Aufstieges zum Dachsteingipfel über den damals noch nicht gesicherten Randkluftanstieg, und als Gegenpol das große Dach der Schlömmer-Perner-Direttissima in der Südwand, von beiden zu ihrer Zeit als „das Letzte im Fels“ empfunden, liegen dann gar nicht mehr so himmelweit auseinander. Sie verdeutlichen, dass man sowohl emotional wie auch sprachlich „ein Häferl nicht über den Rand hinaus füllen kann“.

Unsere Seh- und Lesegewohnheiten haben sich verändert: vier aufeinanderfolgende Seiten ohne Illustration werden als einschläfernd empfunden. Eine optische Auflockerung ist daher selbstverständliche Grunderfordernis. Mittlerweile existiert eine Anzahl prächtiger und opulenter Dachstein-Bildbände – mit denen kann und will dieses Buch nicht konkurrieren. Die Bebilderung hat hier nur unterstützende Funktion: überwiegend sollen historische Fotos, zeitgenössische Darstellungen und Zeichnungen die Texte beleben und die Zeitumstände sichtbar machen. Angesichts der allgemeinen Foto-Inflation sowie der brillant-kühlen Perfektion der für die Alpin-Illustrierten inszenierten Hochglanzbilderwelt verströmen solche alten Fotos trotz kleiner Mängel schon wieder den Reiz des Unmittelbaren, Persönlichen und Authentischen.

Ohne Unterstützung zahlreicher Freunde des Dachsteins wäre das vorliegende Buch in dieser Fülle nicht möglich gewesen. Der Dank gilt in erster Linie allen Autoren, ihren Rechtsnachfolgern, sowie den Verlagsanstalten, die Nachdrucke von Auszügen erlaubten, besonders Herrn Reinhard Maix und Frau Fritzi Lukan. Besonders sei hier Klaus Hoi für seine sachkundige Mithilfe gedankt, sowie Frau Heidi End für die Genehmigung, aus dem enormen Fundus ihres Vaters, des überragenden Dachstein-Experten Willi End zu schöpfen. Noch ein Rat an die geneigte Leserschaft: Zeit nehmen! Der Umfang dieses Buches soll niemanden einschüchtern: Jeder Text erzählt für sich seine Geschichte. Eine Lektüre in kleineren Portionen lohnt sich daher ebenso wie das opulente Menü eines ganzen Abschnittes.

Viel Vergnügen bei dieser Lesereise in die Welt des Dachsteingebietes!

Quellen