Ennstaler Protestantenvertreibung nach Iklad

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1752 kam es zur Ennstaler Protestantenvertreibung nach Iklad in Ungarn.

Einleitung

Königin Maria Theresia (* 1717; † 1780) führte die Schulpflicht in den Habsburger Ländern ein. Jedoch war sie in Religionsfragen unerbittlich, was die Ennstaler Protestanten bitter zu spüren bekamen. Besonders rund um Pürgg-Trautenfels, Irdning und Tauplitz erinnern sich die Menschen heute noch an die Grausamkeit dieser Königin, die Kaiserin genannt wurde, obwohl sie nie dazu ernannt worden war.

Maria Theresia und ihren beratenden Jesuiten-Patern war die Pfarre Pürgg schon längere Zeit ein Dorn im Auge. Der evangelische Glaube hielt sich hartnäckig trotz aller Repressionen der Gegenreformation hartnäckig. 1525 waren Strafexpeditionen der Katholiken durchgeführt worden. Die Religionsreformationskommission zog schließlich 1599 mit 800 Söldnern durch die Lande. Vor allem Erzherzog Ferdinand II. (* 1578; † 1637), der von Graz aus über Innerösterreich regierte, drangsalierte die Protestanten. Doch selbst nachdem ihre Kirchen, Friedhöfe und Schulen zerstört, Bücher verbrannt und Religionsprüfungen durchgeführt worden waren, behielten sie ihren evangelischen Glauben.

Immer brutaler wurden die Methoden der Herrscher. 1626 begann man mit der Ausssiedlung Hundertre Menschen aus Oberösterreich. 1651 emigrierten Protestanten „freiwillig“ nach Bayern. Im Oktober 1734, vor dem hereinbrechenden Winter, fand eine swiki:Protestantenvertreibung aus Salzburg statt, bei rund Tausend Menschen ihre Heimat verlassen mussten.

Das grausame Jahr 1752 im Ennstal

Doch was sich 1752 abspielte, war noch unmenschlicher als jene Vertreibung im Salzburger Land.

Der erste Transport von von Erwachsenen mit drei Kindern fand am 7. Juni nach Mühlbach in Siebenbürgen statt. "Wohl als Abschreckung für die übrigen Geheimprotestanten“, wie Wolfgang Otte vom Joanneums-Standort Schloss Trautenfels anmerkt.

Aber dann eskalierte am 1. August die Situation: In Tauplitz, Zlem und Wörschachtal – den „Nestern unbelehrbarer Ketzer“ – wurden protestantische Familien aus ihren Häusern gezerrt und gezwungen, Richtung Westen zu marschieren. Es handelte sich dabei um die Familien Schiemer, Pötsch, Sachner, Feichtner, Loreser, Lackner, Holl und Gustershuber – rund 80 Personen. Zwei Stunden später trafen sie in Stainach nicht nur auf Schicksalsgenossen aus Irdning, sondern auch auf den Kreishauptmann. Von diesem Offizier, ohne den königlichen Befehl ihnen vorgelesen zu haben, wonach es ihnen erlaubt wurde, ihre Kinder mitzunehmen, wurde es den Leuten untersagt, dieselben mitzunehmen. Darauf spielte sich eine herzzerreißende Szene ab. Die Frauen fielen dem Kreishauptmann zu den Füßen und baten ihn gnädigst, mit Berufung auf den königlichen Befehl, doch erlauben zu wollen, die der mitnehmen zu können. Aber auf all ihr Bitten und Flehen erhielten sie nur die Antwort: „Nicht genug, daß ihr auf Roboten geht, sondern auch eure Kinder ins Unglück mitreissen wollt?" Daraufhin rissen die dort hingestellten Soldaten die Kinder von ihren Eltern weg. Und es kam wiederum zu jammervollen Zwischenfällen, in dem die Kinder sich an den Kitteln ihrer Mütter krampfhaft klammerten und das Weinen der Mütter, das Geschrei der Kinder sich vermischte. Es kam auch vor, dass die Mutter sich nicht entscheiden konnte, ob sie mit ihrem Mann in Ferne ziehen oder aber bei ihrem Kind in der Heimat verbleiben soll.

Thomas Schiemer wurden drei, Ruprecht Pötsch sechs, Hans Schiemer drei, Matthias Sachner zwei, Martin Feichtner zwei, Martin Loreser acht, Hans Lackner sechs, Matthias Holl ein, Hans Mayer drei Kinder zurückbehalten. Der Transport zog am 2. August nach Norden. Der Marsch der „Unbelehrbaren“ führte über Steyr und Korneuburg bis nach Harta, nahe der Grenze zu Slawonien. Die „Ketzer“ wanderten im Frühjahr 1753 weiter nach Iklad bei Pest in Ungarn, wo sie vom Grafen Gedeon I. Raday als Siedler aufgenommen wurden.

Ausstellung Schloss Trautenfels 2018

Gott und die Welt. Woran glauben wir heißt die Ausstellung 2017 und 2018 im Schloss Trautenfels Universalmuseum Joanneum im Schloss Trautenfels in Trautenfels, die unter anderem darüber berichten.

Literatur

Quellen

  • www.kleinezeitung.at, ein Beitrag vom 23. Juli 2017, abgefragt am 4. Jänner 2018
  • pest.lutheran.hu, eine sehr ausführliche Quelle über die Vertreibung, abgefragt am 4. Jänner 2018