Ennstaler Bergschecken

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Ennstaler Bergschecke, fotografiert von Josef Lassacher
Ennstaler Bergschecken-Kalbinnen, aufgenommen von Josef Lassacher
Ennstaler Bergscheckenherde, fotografiert von Josef Lassacher

Ennstaler Bergschecken ist die Bezeichnung für eine autochthone Rasse des Hausrindes, die heute vom Aussterben bedroht ist.

Inhaltsverzeichnis

Abstammung

Die Abstammung der Bergschecken reicht bis zu den keltischen Rindern in der Antike zurück. Es handelt sich um eine autochthone Rasse des zentralösterreichischen Raumes, die sich ganz besonders den Erfordernissen dieser Region angepasst hat. Dabei scheint sich das äußere Erscheinungsbild und der Körperbau über Jahrhunderte hinweg kaum verändert zu haben.

Verwandtschaften

Die Ennstaler Bergschecken sind u.a. mit dem Pinzgauer Rind eng verwandt. Die Fachzeitschrift „Der Pinzgauer Züchter“ des im Jahr 1925 gegründete „Reichsverband österreichischer und bayrischer Züchterorganisationen für das Pinzgauer Rind“ betreute daher nicht zufällig auch die Mitglieder des Steirischen Bergschecken-Zuchtverbandes mit.

Eigenschaften

Die Ennstaler Bergschecken gelten als genügsam und zäh. Sie sind überaus widerstandsfähig und von stabiler Gesundheit, vor allem im Vergleich mit anderen Rassen. Sie sind für ihre hervorragende Fleischqualität und die sehr gute Ausschlachtung bekannt, welcher der feine Knochenanteil zugrunde liegt, und verfügen auch über beste Eutermerkmale. Ihre Milch ist sehr fettreich.

In der Zucht stand dennoch lange Zeit die Zugleistung im Vordergrund. Bergschecken-Ochsen waren ja noch vor einigen Jahrzehnten eine begehrte Handelsware vom Alpenvorland bis nach Deutschland. Ihre Mastfähigkeit und ihre Fleischqualität wurden im Vergleich mit anderen Rinderrassen hoch geschätzt.

Die Ennstaler Bergschecken galten ob ihrer herausragenden Fleischqualität im 18. und 19. Jahrhundert als Verkaufsschlager. Sie waren in Oberösterreich und im benachbarten Ausland bis hin nach England wegen der Feinfasrigkeit ihres Fleisches und dem geringen Knochenanteil überaus gefragt. Gut veranlagte Stierkälber gingen daher in die Ochsenmast, da man sie später mit besserem Erlös vermarkten konnte.

Um 1900 verlagerte sich das Zuchtziel zunehmend auf die Milchproduktion. Im Bezirk Murau erfolgten zu diesem Zweck Einkreuzungen über das Simmentaler Fleckvieh, was der rassenmäßigen Entwicklung eine gänzlich andere Richtung gab. Das sog. Alpenfleckvieh entstand, praktisch eine Fleckviehrasse auf Bergscheckengrundlage.

Zuchtgeschichte

Leider wurde die Rasse schon im 18. Jahrhundert zugunsten größerer und kräftigerer Rassen wie den Mürztalern, bzw. Murbodnern, dem Blondvieh und dem Pinzgauer Rind zurückgedrängt. Um 1880 beschränkte sich die Haltung der Ennstaler Bergschecken bereits auf wenige Täler der Obersteiermark. 1902 wurde die erste Bergscheckengenossenschaft gegründet. Um 1935 existierten nur noch im Ennstal größere Bergscheckenbestände. Die Bergscheckenzuchtgenossenschaften bemühten sich noch bis 1940 um eine organisierte Zucht dieser Rinderrasse. Trotz einiger Initiativen in der Zwischenkriegszeit waren die Bergschecken um 1950 fast ausgestorben.

Gegenwart

Bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts überdauerten nur mehr vier nicht miteinander verwandte Bestandsgruppen. Seit 1992 gibt es aber wieder nachhaltige Bemühungen, die genetische Variabilität des Bestandes zu erhalten, bzw. die Population der Ennstaler Bergschecken auszuweiten. Seit 1998 bilden die Züchter eine lose Interessensgemeinschaft, welche mit dem Rinderzuchtverband Steiermark zusammenarbeitet. Im Jahre 2004 ergab eine Bestandsaufnahme in Österreich 65 Tiere in sechs Betrieben.

Bundesweite Züchtertreffen wie beim Kulmwirt Ramsau in Ramsau am Dachstein im Oktober 2011, einzelne Vermarktungsprojekte wie Ennstaler Bergschecken Bio-Ochse und Kontakte mit dem an diesem Qualitätsrind interessierten Ausland lassen darauf hoffen, dass die Ennstaler Bergschecken auch in einer globalisierten Welt mit ihren die Artenvielfalt wenig fördernden Leistungskriterien eine Zukunft haben.

Ennstaler Bergscheckenzuchttiere werden als hochgefährdete Rinderrasse im Rahmen des Öpul-Programms gefördert.

Literatur

Quellen

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