Die Zitterpartie des Reiseschriftstellers Sartori

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Die Zitterpartie des Reiseschriftstellers Sartori führte ihn in das Gebiet des Natterriegels.

Die Geschichte

Der Schriftsteller Franz Sartori besuchte 1811 das Ennstal. Er rühmte in seiner „Neuesten Reise durch Österreich ...“ die Gastlichkeit des Benediktinerstifts Admont, die schöne Gegend und insbesondere die wilden Berge des Gesäuses. Mit dem Hofrichter von Admont brach er zu einer Exkursion auf den Natterriegel auf.

Der Anmarsch

Ich ritt am Abend ... von Admont weg, und nachdem wir einige Stunden in der Nacht geritten waren, liessen wir unsere Pferde in einem Bauernhause, und setzten unseren Weg zu Fusse bis zu einer Schwaighütte fort, in der wir uns durch einige Stunden Schlaf zu der bevorstehenden Expedition stärkten.

Aus dem Bericht geht nicht hervor, ob der Hallerweg oder der Thörlweg als Aufstieg gewählt wurde. Im ersten Fall wäre die Moseralm (heute Forchneralm) als Nachtquartier wahrscheinlich, im zweiten die Grabneralm. Am nächsten Morgen stieg die Gruppe bei schlechtem Wetter zum Grabnertörl und über den südlichen Grasrücken in Richtung Natterriegel auf.

Das schauerliche Bild des Abgrundes

Wir hatten nicht mehr weit zum Gipfel des Natterrigl, als es darauf ankam, einen Pfad zu übersetzen, der zwischen lockerem Kalkgerölle über einem Abgrund von einigen hundert Klaftern hin hängt. ... Unsere Führer, die mit weniger Scheu, aber doch nicht ohne Vorsicht über das Kalkgerölle hinweggingen, und durch ihre Tritte, womit sie die Steine hinabrollen, das schauerliche Bild des Abgrundes und die überhängenden Felse noch mehr vor dem Auge zittern machen; die wellenförmigen Gipfel der Berge, die man hier übersieht, und die in dem Bilde des Abgrundes mitzuschwanken scheinen mit den Felsen; das Rollen des Kalkgruses unter den Füssen am unsichern Rande des Abgrundes, alles erhöht hier die bangen Gefühle des Schwindels. Mit Entsetzen kehrt man das Auge hinweg von diesen grauenvollen Bildern, mit beyden Händen klammert man sich an die Felsentrümmer, und mit keuchender Brust, zitternd vor der Gefahr des Abrollens in die schreckliche Tiefe hat man endlich die andere Seite erreicht.

Die Gefahr des Abrollens

Aber noch hätte man einen Pfad zu überschreiten, der an Gefahr den ersten weit übertrifft. Es ist eine sehr schräg stehende schiefe Fläche, mit lockerem Gerölle von Kalkgrus und Steinen angefüllt. Kein Tritt ist hier sicher, die Steigeisen greifen oft auf dem steinigten Boden nicht ein, und je mehr man sich an die Seite des Berges lehnte, desto größer wird die Gefahr des Abrollens. Die Nebel trieben noch immer ihr Spiel, wir warteten hier vergeblich auf heiteres Wetter, und ohne dieses wäre das Wagestück den Gipfel zu erklettern, umsonst gewesen. Wir beschlossen also hier umzukehren.

Über jene zweite Stelle, die Sartori den Gipfelsieg gekostet hat, wird der trittsichere Wanderer ebenso ruhig hinüberspazieren wie die beiden ungenannten Admonter Führer vor fast 200 Jahren. Und mögen wir heute auch darüber lächeln, dass sich der Herr Direktor des Wiener k.k. Bücher-Revisionsamtes an einem der spärlichen Felsbrocken angeklammert hat. Selten genug gab und gibt ein Schriftsteller zu, dass er vor der Tiefe Angst hat, dass ihm elend und schwindlig ist und dass er sich nicht mehr weiter traut.

Quelle