Der Veit in Obersdorf und sein Schwörbüchl

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Der Veit in Obersdorf und sein Schwörbüchl heißt eine Sage aus dem Hinterbergertal.

Allgemeines

Der Veit-Hof befindet sich im Zentrum von Obersdorf (Nr. 14), und ist im Jahr 2007 im Besitz von Andreas Hofer vlg. Veit, eifriger Kirchgänger, das Schwörbüchl befindet sich aber nicht mehr auf seinem Hof.

Die Sage

Der alte Veit in Obersdorf besaß ein Zauberbuch, ein sogenanntes „Schwörbüchel“, das er gewöhnlich an der Stelle oberhalb der Tür aufbewahrte. Damit konnte er den Teufel herbeizaubern. Als er einmal an einem Sonntag in der Kirche war, fiel es ihm ein, daß seine Buben zuhause das Buch erwischen, darin lesen und so unbewusst den Teufel herbeischwören könnten. Der Gedanke ließ ihm keine Ruhe und so verließ er noch vor der Wandlung eilig die Kirche, um nach Hause zu eilen. Der Veit hat nämlich drei Buben gehabt, aber für alle drei zusammen nur eine Feiertagshose. Auf diese Weise hat immer nur einer in die Kirche gehen können, die zwei andern aber haben zu Hause bleiben müssen.

Als der Veit ganz ausser Atem und schwitzend vor Sorge und Anstrengung zuhause ankam, hatten tatsächlich inzwischen die Buben das Buch gefunden, hatten darin gelesen, und der Teufel stand schon mitten in der Stube. Der aber Veit war ein kluger Mann, der sich schnell zu helfen wusste. Als er den Teufel sah, sprang er schnell hinauf in die Dachkammer, füllte einen großen Kübel mit Leinsamen und stieg damit wieder in die Stube hinab. Dort sagte er zum Teufel: „Wenn du alle Leinsamenkörner, die in diesem Eimer sind, so auf der Tischplatte aufstellst, daß sie mit der Spitze nach oben stehen, dann erst sollst du über meine Buben Macht haben.“ – „Die Buben haben mich gerufen und ich will ihnen viel Geld geben! Dann aber gehören sie mir!“ sagte der Teufel. – „Nichts da! Was ich dir befohlen habe, dabei bleibt‘s!“ antwortete Veit.

Der Teufel lachte höhnisch und machte sich gleich an die Arbeit. Der Veit aber nahm sein Schwörbüchel, las schnell darin die Stelle, wie man den Teufel wieder wegzaubern kann, und war mit dem Lesen nur knapp früher fertig, als der Satan mit seiner Arbeit. Nur eine Handvoll Leinsamen war noch im Eimer. Voll Wut über seine Niederlage warf der Teufel die Handvoll Körner mit solcher Gewalt auf den Tisch, daß sie in der Platte steckenblieben. Dann verschwand er plötzlich, hinterließ aber in der Stube einen solchen Gestank, daß man ihn noch wochenlang spürte. Den Tisch hat man noch lange beim Veit bestaunen können, später, als die Tischplatte nicht mehr für die Küche taugte, war sie noch lange Zeit in dem Heuschupfen, die nahe am Rödschitzbachl steht.

Quelle