Der Schladminger Hauptplatz im Wandel der Zeit

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Der Schladminger Hauptplatz im Wandel der Zeit

Einleitung

Ende des 20. Jahrhunderts hatte sich das Bild des Hauptplatzes von Schladming durch Umbauten, Eröffnung neuer Geschäfte und nicht zuletzt durch die 1995 abgeschlossene Neugestaltung zur Fußgängerzone weitgehend verändert. Dem Zeitgeist der Wirtschaft und des Fremdenverkehrs entsprechend, haben die meisten Häuser – schon äußerlich erkennbar - ihre überlieferte Funktion verloren und nur selten erinnert man sich der Familien die einst am Hauptplatz wohnten und ihr Gewerbe ausübten. So will nun der Lokalhistoriker die Schladminger einladen zu einem Weg in die Vergangenheit vor hundert und mehr Jahren um ihnen dabei zu erzählen, wie es seinerzeit am Schladminger Hauptplatz gewesen ist.

Die Häuser

Schon das Haus Hauptplatz Nr. 18 mit den ursprünglichen Vulgarnamen "Hanglische, Mossmüllerische, Innerwegerische Behausung, Bader samt Weinschankgerechtigkeit" verdient ein wenig Aufmerksamkeit, denn hier wird durch den Vulgarnamen auf ein Haus hingewiesen, dass 1631 Stephan Hangl besaß, der Wirt, Bürgermeister und Richter war. Er hätte sich wohl nicht gedacht, dass dreihundert Jahre später an Stelle seines Hauses ein Gerichtsgebäude steht.

Der Vulgarname „Innerwegerische Behausung" stammt vom Nachfolger Stephan Hangls, dem Zechpropst der Pfarrkirche Schladming, Gerichtsschreiber und Wirt Matthäus Innerweger, der 1688 das Haus übernahm. Unter den Besitzern wird 1713 der Bader und Wirt Franz Joseph Miller genannt, weshalb unter den Vulgarnamen des Hauses auch „Bader" vermerkt ist. Im Jahre 1840 kaufte der Berggewerke Johann Rudolf Ritter von Gersdorff das Haus Hauptplatz Nr. 18 zum Abbruch und errichtete ein Jahr später an dieser Stelle ein Wohnhaus, das später Sitz des Bezirksgerichtes wurde und auch als Postamt Verwendung fand. Eine kleine Gedenktafel an der Außenfront des Hauses erinnert daran, dass hier am 26. April 1906 der steirische Tondichter Prof. Ernst Ludwig Uray als Sohn des damaligen Bezirksrichters geboren wurde.

An Stelle des Intersport-Geschäftes Bachler (Hauptplatz Nr. 17) befand sich eine Lebzelterei - daher auch der Vulgarname „Leutgebische oder Lebzelterische Behausung samt Lebzeltergerechtsame". Aus vielen Kirchenrechnungen der Pfarre Schladming und der Nachbarpfarren Haus im Ennstal, Assach und Pichl ist ersichtlich, dass schon 1727 die Schladminger Lebzelterei Wachsstöcke und Kerzen für die Beleuchtung der Kirchenräume lieferte. Die Herstellung von Lebzeltereiwaren und Wachskerzen war ja bekanntlich in einem Gewerbe vereint.

Hauptplatz Nr. 16 - heute Loden Steiner einst „Bancal-Zollamt oder bürgerschaftliches Maut- bzw. Rathaus" genannt, war früher nicht nur Zentrum der Ortsverwaltung, sondern von 1874 bis 1903 auch Rasthaus der Freiwilligen Feuerwehr Schladming. Dies allerdings nur in den ebenerdigen Räumlichkeiten, bis man infolge des immer umfangreicher werdenden Gerätebestandes der Feuerwehr ein eigenes Rüsthaus gegenüber der Brauerei Schladming erbaute. Das leer gewordene Feuerwehrdepot am Hauptplatz wurde an den Weinhändler De Darin vermietet, doch machte man mit ihm bald schlechte Erfahrungen, denn der Mieter verwendete diesen Raum nicht nur als Weinkeller, sondern lagerte dort auch „Beiner und Hadern" ab, wie es in einer Beschwerdeschrift hieß. So wurde das ehemalige Feuerwehrdepot auch zum Tummelplatz für Ratten und Mäuse, was natürlich öffentlichen Anstand erregte und dem Weinhändler die Kündigung des Mietvertrages eintrug.

Mehrere Gewerbe wurden im Laufe der Zeit im Haus Hauptplatz Nr. 15, der heutigen Geschäftsstelle der Volksbank Enns- und Paltental reg. Gen.m.b.H. Zweigstelle Schladming seit dem Jahr 1621 ausgeübt. Dementsprechend ist auch der heute kaum noch bekannte Vulgarname „Auerische-Langmayrische Behausung, Pogner-Riemer samt Handlungsgerechtigkeit" zu verstehen. Zunächst scheint der Fleischhauer Andreas Lankmayr als Besitzer des Hauses auf (1621), auf den der Wirt, Handelsmann, Marktrichter, Huf- und Hackenschmied David Reidter im Jahre 1685 folgte. Josef Haarberger kaufte das Haus im Jahre 1799 und übte dort das Riemergewerbe aus, ehe es durch den Kauf von Franz und Maria Fabichler ab 1828 ein Handelshaus wurde, das als solches von der Familie Herbst weitergeführt wurde.

Die Häuser Hauptplatz Nr. 13 und 14, das Gasthaus Brunner (14) und die Sparkasse Schladming-Gröbming (13) waren ursprünglich verschiedenen Besitzern zugehörig bis 1768 der aus Gröbming kommende Brauer Gregor Joseph Pummerer beide Häuser zum Zwecke des Ausbaues eines größeren Brauereibetriebes zu einer Einheit umgestaltete. Erst unter dem Gastwirt und Bierbrauer Konrad Keller wurde der Brauereibetrieb im Jahre 1898 wieder eingestellt. Nach dem 1901 durch die Bürgerschaft Schladming erfolgten Kauf wurden die beiden Häuser, wie ursprünglich wieder getrennt.

Allerdings war das Sparkassengebäude (Haus Nr. 13) schon seit 1618 unter Baltharsar Seriz ein Brauhaus und führte den Vulgarnamen „Tiffereggerisches Brauhaus Pummerer" während das Gasthaus Brunner den Vulgarnamen „Auerische (Aunerische) Behausung, "Unteres Pognerhaus" inne hatte. Älteren Schladminger Bewohnern wird sicher noch der „Lesesaal" im Sparkassengebäude in Erinnerung sein. Er war eine Stätte kulturellen Geschehens, besonders um die Jahrhundertwende.

Auch unter den Besitzern der heutigen WM-Passage, der ehemaligen „Matzinger Behausung" (Haus Nr: 12) gibt es manch interessante Persönlichkeiten, die das wirtschaftliche und kulturelle Leben Schladmings mitgetragen haben.

1618 „ordinierte" der Bader Hanns Matzinger in dem Haus, dessen Nachkomme Christoph Matzinger 1683 allerdings als Lebzelter und Marktrichter tätig war. Das Haus kam dann in den Besitz der Hammergewerken Mennersdorfer, Prandtstätter, Johann Nepomuk von Eysl, Theodor Graf von Batthyani, Schröckenfux und Hillebrandt. So ist es auch nicht verwunderlich, heute noch in einem Zimmer des ersten Stockes ein Wandgemälde zu finden, das an die Zeit des Betriebes der Hammerwerke erinnert.

Die "Zwei Pröpstlhäuser" nannte man früher das Hotel „Alte Post", denn unmittelbar nach der Brandkatastrophe des Jahres 1618 baute der Ratsbürger, Gastwirt und Berg- und Schmelzwerks-Mitgewerke Tobias Pröpstl seine beiden Häuser wieder auf und ließ auch das Baujahr 1618 sowie die Initialien seines Namens "T. P."am Trambaum des Dachfirstes und in einem Deckenbalken der Gaststube anbringen.

Nach der Familie Pröpstl besaßen die Prasthofer, eine nicht minder angesehene Schladminger Familie die „Alte Post". Johann Georg Prasthofer, der 1698 in den Besitz der Liegenschaft kam war Oberzechpropst der katholischen Kirche in Schladming und Kupferhammerherr. Mit der Einführung des „reitenden Briefpostkurses" zwischen Stainach und Radstadt im Jahre 1808 rückten die "Pröpstlhäuser" wieder in den Blickpunkt der neueren Geschichte Schladmings. Wie der Name „Alte Post" heute noch daran erinnert, wurde hier das erste Postamt errichtet.

Das Schlosserhandwerk kann im Haus Hauptplatz Nr. 9 auf eine lange Tradition verweisen - es führt ja auch den Vulgarnamen „Schlosser". Schon 1622, bald nach dem Wiederaufbau Schladmings ist ein Schlosser namens Vinzenz Schiener in diesem Haus nachweisbar. In ununterbrochener Folge waren dann mehr als 300 Jahre die Hausbesitzer im gleichen Gewerbe tätig und manchem Schladminger wird es noch erinnerlich sein, dass das Haus des heutigen Fotogeschäftes Kaserer seinerzeit unter dem Namen "Schlosser Gruber" bekannt war.

Schon 1839 arbeitete Carl Fischer als Uhrmacher im Haus Hauptplatz Nr. 43, dem Uhr-, Juwelier- und Schmuckgeschäft Angerer, das als „Haunerische- bzw. Muhrerische Uhrmacherbehausung" in den Archivalien benannt wird. Nach dem Brand von 1618 baute der Weißgerber Andreas Hauner im Jahr 1621 das Uhrmacherhaus wieder auf und verkaufte es 1656 den Eheleuten Christian und Magdalena Muerer. Von diesen beiden Besitzern leitet sich also der Vulgarname des Hauses Hauptplatz Nr. 43 ab, das seit 1862 im Besitz der Familie Angerer ist.

Zum Haus zugehörig war die „Esserische, Mangschneider- oder Thorschneiderbehausung", die aber im Zuge der Straßenerweiterung und des damit verbundenen Abbruches des „Grazer Tores" im Jahre 1845 abgetragen wurde. Gleichsam zwei Häuser unter einem Dach sind die Objekte Hauptplatz Nr. 41 und 42 (Café Konditorei Niederl und Schnellimbiss 's Würstl). Die unmittelbare Nähe des ehemaligen „Grazer Tores" erkennt man auch im Vulgarnamen des Hauses Nr. 41: „Huetterische, Behausung, Thörlwirt". Das Haus Nr. 42 hingegen war einst eine Sattlerei, daher auch der Hausnanme "Hofmannische Sattlerbehausung".

Die „Haydnische und Scheickische Behausung samt Bäckereigerechtsame nannte man die erst vor einigen Jahren geschlossene Bäckerei Zefferer am Hauptplatz Nr. 40. Nur wenige Häuser in Schladming können eine so fortlaufende Reihe des gleichen Gewerbes nachweisen, wie die ehemalige Bäckerei Zefferer. Von 1618 an war ohne Unterbrechung ein Bäckereibetrieb in diesem Haus.

Als „Untere Kupferschmiedbehausung" kannte man seinerzeit das Haus Nr. 39 am Schladminger Hautplatz, denn schon 1685 wird Peter Fabichler, das Mitglied einer alteingessenen Schladminger Bürgerfamilie als Wirt und Kupferschmied genannt. Die Tradition des Kupferschmiedhandwerks fand ihre Fortsetzung bis zur Familie Kofler, die noch den Kupferhammer am Eingang ins Untertal betrieb. Die Erzstufe an der Außenmauer des Hauses erinnert noch an die Tage, als der Bergbau und die Hammerwerke in Betriebwaren.

Eine Tischlerei des Egidie Schlemmer stand schon 1670 an der Stelle, wo in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg das Kaufhaus FORUM errichtet wurde. Man kannte früher einmal das Haus unter dem Vulgarnamen „Tischlerbehausung".

Der Vulgarname „Weickl" für das Haus Hauptplatz Nr. 37 (heute Café Landgraf) leitet sich von Michael Weickl ab, der 1751 gleich seinen Vorgängern Wirt am Hauptplatz war. Ähnlich wie das benachbarte FORUM-Gebäude wurde auch das Café Landgraf nach dem Zweiten Weltkrieg völlig umgebaut, wodurch leider ein Teil der historischen Bausubstanz des Hauptplatzes verloren ging. Für die evangelischen Christen von Schladming war aber das ursprüngliche Gebäude von historischer Bedeutung, denn in der Stube des Weicklwirtshauses fand nach der Verkündung des Toleranzpatentes am ersten Adventsonntag des Jahres 1782 der erste evangelische Gottesdienst in Schladming statt.

Ähnlich wie beim Haus Hauptplatz Nr. 9, dem „Schlosserhaus" lässt sich auch beim Haus Nr. 36 (ehemals Gasthof und Fleischhauerei Ilgenfritz) eine mehr als dreihundertjährige Gewerbetradition nachweisen. Hier bestand eine Fleischhauerei die 1670 mit Andre Pröpstl ihren Anfang nahm. Der älteren Schladmingern noch bekannte Vulgarname „Karl Fritz" leitet sich vom einstigen Besitzer Carolus Bindter (1737) ab. Mit dem Umbau des Hauses zu einem Bankinstitut und einem Schuhgeschäft ging für die Schladminger Innenstadt auch ein gesellschaftliches Zentrum verloren, das sich durch den bis in die jüngste Vergangenheit bestandenen Gasthof Ilgenfritz großer Beliebtheit, besonders bei der Landbevölkerung erfreute. Zahllos sind die Hochzeitsessen, die in den vergangenen Jahrzehnten in dem im ersten Stock befindlich gewesenen Saal eingenommen wurden. Viele heitere Stunden verbrachten aber auch die Schladminger im „Ilgenfritz-Saal" bei den Aufführungen der Schladminger Heimatbühne.

Das „Alte Rathaus" (Hauptplatz Nr. 35, Kosmetikgeschäft Royer und Funkberater) war gleich dem gegenüberliegenden Haus Nr. 16 (Loden-Steiner) einstmals Sitz der Gemeindeverwaltung. In der Reihe der nachmaligen Besitzer des Hauses ist 1882 der Baumeister Karl Ganzenberg grundbücherlich verzeichnet. Ganzenberg führte damals den Amtstitel „Straßenmeister". Unter den vielen Bauten die er in Schladming ausführte ist in erster Linie die evangelische Kirche zu nennen.

Das Hotel Neue Post (Hauptplatz Nr, 34) beherbergte, wie ja schon der Name erkennen lässt, ehemals auch das Postamt ehe es in das Gerichtsgebäude übersiedelte. Ursprünglich war es die „Sengspratl'sche Fleischhackerbehausung mit einer Weinschanks- und Gastgewerbegerechtsame". Einer der Besitzer dieses Hauses, der Gastwirt Anton Rettenbacher war ein besonderer Förderer des Baues der evangelischen Kirche. Er ließ für die erste Glocke, die am 3. August 1851 in Schladming eintraf, auf seine Kosten einen hölzernen Notturm errichten, der bis zur Fertigstellung des Kirchturmbaues im Jahre 1856 als Glockenturm diente.

Aus diesem symbolischen Rundgang über den historischen Hauptplatz unserer Stadt wird der aufmerksame Leser verschiedene Erkenntnisse ableiten. Auch in vergangener Zeit herrschte hier ein reges und vielfältiges Wirtschaftsleben, die handwerkliche und gewerbliche Tradition hatte einen hohen Stellenwert und unterschied sich in vielen Bereichen von der Kurzlebigkeit mancher Unternehmen unserer Zeit. Jedes Jahrhundert hat dem Hauptplatz von Schladming seinen Stempel aufgedrückt und so hat auch das ausgehende 20. Jahrhundert eine Umgestaltung erforderlich gemacht, um den Anforderungen eines modernen Tourismuszentrums gerecht zu werden. Die Geschichte und das Wissen um das Einst rücken mit jeder Erneuerung weiter ins Dunkel der Vergangenheit weshalb es an der Schwelle zum 21. Jahrhundert wohl nicht verfehlt ist, einen kleinen Rückblick zu machen.

Quelle