Berühmte Schladminger Sommergäste

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Es gab eine ganze Reihe berühmter Schladminger Sommergäste, unter ihnen Herbert von Karajan, Robert Stolz oder Robert Musil.

Allgemeines

Das französische Sprichtwort: „Der König ist gestorben - es lebe der König!" könnte auch im Schladminger Tourismusgeschehen Anwendung finden, wenn man Vergleiche zwischen gestern und heute zieht. Durch seine internationale Popularität und auch durch gute persönliche Beziehungen zu Schladmingern ist heute Arnold Schwarzenegger gleichsam die Nummer 1 der Berühmtheiten in der Bergstadt.

Ungewollt hat damit der in Amerika lebende Grazer manchen berühmten Schladminger Sommergast von einst in den Schatten gestellt. Allerdings brachte es auch die Zeit mit sich, dass die Erinnerung an so manche Persönlichkeit allmählich verblasste.

Anekdote mit von Karajan

Am 23. Juli 1893 um 4 Uhr nachmittags ereignete sich am Hauptplatz anlässlich einer Platzmusik ein Unfall, der indirekt an einen Sommeraufenthalt der Familie von Karajan in Schladming erinnert. Die Steirische Alpenpost vom 3. August 1893 berichtete, dass während des Konzertes der Bürgermusikkapelle Schladming der Gutsbesitzer Herr Franz Junghanns samt Frau in einem mit zwei Pferden bespannten Wagen, aus Haus im Ennstal kommend, daherfuhr. Da sprang der zweijährige Sohn des Josef Walcher vlgo. Weickl vom Musikpavillon, wo er ohne Aufsicht war, über die Straße und wurde von den Pferden umgestoßen, geriet unter die Hufe derselben, kam aber glücklicherweise mit einer Hautabschürfung am Kopfe davon. Herr Dr. Ernst von Karajan, welcher Gast in Schladming war, leistete dem Verunglückten Erste Hilfe. Die Schuld an diesem Unfalle trifft die Kindeswärterin Johanna Rappl, welche das Kinde allein herumlaufen ließ."

Soweit der Zeitungsbericht, der uns schon vor Jahren veranlasste, im Privatsekretariat von Herbert von Karajan in Salzburg Erkundigungen einzuholen, ob es in der Familie noch Erinnerungen an seinerzeitige Ferienaufenthalte in Schladming gibt. Bereitwillig erhielten wir die Äuskunft, dass man sich aus der Familienüberlieferung sehr wohl an die schönen Ferientage in Schladming erinnert und dass schon die Eltern Herbert von Karajans Schladming als begehrten Sommeraufenthalt zu schätzen wussten. Der in dem oben zitierten Zeitungsbericht genannte Arzt - der Vater des berühmten Dirigenten - war damals Leiter des Landeskrankenhauses in Salzburg. Sein Wunsch, die Musik zu seiner Lebensaufgabezu machen, erfüllte sich erst bei seinem Sohn Herbert, der im Jahre 1908 geboren wurde. Auch Herbert von Karajan war als Kleinkind mit seinen Eltern während der Sommermonate mehrmals in Schladming.

Maria Arnsburg

Die Wiener Malerin Maria Arnsburg (* 3. Jänner 1862), die mehr als 40 Jahre mit ihrer Familie in Schladming auf Sommerfrische war. Die Künstlerin schuf nicht nur Blumenstilleben sondern vor allem auch interessante Dokumentationen von Motiven aus Schladming. Ein Gemälde mit der Darstellung des "Salzburgertores" stellte Maria Arnsburg für den Führer durch Schladming und seine Umgebung – Auflage 1913 zur Verfügung.

Robert Stolz

Eine überraschende Resonanz erfuhren auch die Erkundigungen über die einstigen Ferienaufenthalte des im Jahre 1880 in Graz geborenen Prof. Robert Stolz, der, wie es in seiner Biographie heißt „die legitime Thronfolge derer angetreten hat, die das himmelblaue Imperium der Wiener Operette begründet und zu weltweitem Glanz und Ruhm geführt haben, Strauß, Kálmán und Lehár."

Ältere Schladminger erzählten manches Mal, dass auch Robert Stolz des öfteren Ferienaufenthalt in Schladming genommen habe, wann dies aber gewesen sei, konnte nie genau ermittelt werden. So war es naheliegend, dass wir uns im Jahre 1984 mit einer diesbezüglichen Anfrage an das Privatsekretariat von Prof. Robert Stolz wandten und alsbald mit einem ausführlichen Schreiben informiert wurden, dass die Familie Stolz schon vor der Jahrhundertwende gerne nach Schladming zur Sommerfrische gekommen war. Der Vater, Jacob Stolz war Musikdirektor des Grazer Stadttheaters und Inhaber einer konzessionierten Musikschule. Johannes Brahms, Anton Bruckner und Gujseppe Verdi zählten zum Bekanntenkreis der Familie Stolz und waren von der musikalischen Begabung des damals noch im Kindesalter stehenden Robert Stolz stark beeindruckt. So ist es nicht verwunderlich, dass das „Wunderkind" Robert Stolz als Pianist, begleitet von seinem Vater Konzerttourneen unternahm, die ihn weitum in Städte des ehemaligen österreichischen Kaiserreiches führten. Freudig erwartet wurde aber immer wieder die Zeit, in der die Familie Stolz in Schladming die Ferien verbrachte.

In Erinnerung daran übermittelte Robert Stolz ein Bild aus seiner Jugendzeit, ein Porträtfoto mit einer Widmung, in der er an seine Schladminger Zeit erinnert und eine Bilddokumentation seines Lebenswerkes.

Robert Musil

Im November 1994 veranstaltete die Österreichische Nationalbibliothek in Wien eine Sonderausstellung über Leben und Werk Robert Musils (* 1880; † 1942), der als einer der „gelehrtesten Autoren" seiner Epoche bezeichnet wird. Über ihn schrieb auch Dr. Karl Corina in einem umfangreichen Werk das 1988 im Rowolt-Verlag erschien. Außerdem veröffentlichte Adolf Frise 1983 die Tagebücher Robert Musils.

Es darf die Schladminger mit Stolz erfüllen, darauf hinweisen zu können, dass auch diese international anerkannte Persönlichkeit seinerzeit zu den Feriengästen der alten Bergstadt zählte. Es war die Zeit von 1900 bis 1903, in der Schladming auf Robert Musil als Sommerfrischenort einen tiefen Eindruck machte.

Bevor Musil in der zweiten Hälfte des September 1903 nach Berlin übersiedelte, um dort Philosophie und Psychologiezu studieren, verbrachte er von Mitte August an mit seinen Eltern einige Wochen in Schladming. Darüber schrieb er unter anderen in einem seiner Tagebücher: "In einigen Tagen reise ich - ich habe gründlich Abschied genommen von unserem lieben, kleinen Dorf - schweren Abschied!"

Quelle