Almwirtschaft

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Blick in die Untere Glattalm
Almwiese im Untertal.
Sonnenuntergang auf der Hinteregger Alm

Der Artikel über die Almwirtschaft schildert die Entwicklung der landwirtschaftlichen Nutzung von höher gelegenen Grasregionen, Almen, genannt. Aufgrund der Lage und klimatischen Verhältnisse werden Almen zur Bewirtschaftung, Weidenutzung und Erzeugung von Eigenprodukten nur in den Sommermonaten in Anspruch genommen.

Allgemeines

Seit jeher wurden in den Alpen hoch gelegene Flächen, oftmals auch oberhalb der Baumgrenze, zur Bewirtschaftung genutzt. Der Hauptgrund war, dass die Erträge aus der Landwirtschaft in den Tälern für die Wintermonate gebraucht wurden und die Almnutzung somit eine Entlastung im Sommer darstellte. In der Regel baute man die Almhütten und Stallungen in der Nähe von Wasser, um das Weidevieh versorgen zu können.

Begriffe und Definitionen

Das Wort Alm stammt vom bajuwarischen Dialekt ab, während Alpe dem alemannischen Dialekt zuzusprechen ist, der Begriff wird deshalb vorwiegend in Westösterreich verwendet. Nach einem Vorschlag von Robert Sieger aus dem Jahre 1925 wird für Österreich der Begriff Alm im wirtschaftlichen Sinne und der Begriff Alpe im geografischen Sinne verwendet.

Grundsätzlich ist die Alm ein Weidegebiet, welches getrennt vom Heimhof in den Sommermonaten beweidet wird. Unter rechtlichen Gesichtspunkten werden die Einzelalmen, die Gemeinde- oder Genossenschaftsalmen, die Servitusalmen und die Pachtalmen unterschieden.[1]

Die Geschichte der Almwirtschaft

Nur wenige Hinweise geben Aufschluss über den Beginn der systematischen Almwirtschaft. Diese beginnt jedenfalls ab einer intensiven Viehwirtschaft. Belegt ist die Almnutzung während der slawischen Besiedelung seit Ende des 6. Jahrhunderts. Slawische Almbezeichungen und Flurnamen sind Zeugen dieser Besiedelung. Ab dem 9. Jahrhundert und damit seit der bairischen Landnahme sind urkundliche Belege für die Almnutzung vorhanden. Aufgrund der großen Waldflächen im Mittelalter boten sich die waldfreien Almen als Weidemöglichkeit an. Im Mittelalter waren Privatalmen noch eine Seltenheit, vorherrschend waren Gemeinschaftsalmen („Frei“ oder „Gmein“) und Herrschaftsalmen. Diese sind auch heute noch im Landschaftsbild erkennbar und bilden Almdörfer. Die später aufgeteilten Gemeinschaftsalmen zeichnen sich durch einzeln dastehende Almhütten aus.

Trotz der verschlechterten klimatischen Bedingungen seit dem 15. Jahrhundert wurden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts weitere Almen errichtet. Grund dafür waren die kaiserlichen Rechte, die den Abbau von Metallen förderten. Folge waren Schlägerungen, die weitere Weidegebiete erschufen. Versuche, der Verdrängung von Waldgebieten durch Weideflächen entgegenzuwirken, scheiterten aber am Widerstand der Bauern, denen es nun möglich war, soviel Vieh auf die Alm zu treiben, wie sie im Winter versorgen konnten. Eisenindustrie und Bergbau verursachten eine erhöhte Nachfrage nach Holz und Holzkohle, das Interesse galt nun der Forstwirtschaft. Verbleibende Weideflächen wurden deshalb intensiver genutzt. Waldschädigungen und Überbeanspruchung der Almen wurde schon im 16. Jahrhundert in Form von Gesetzen, Überwachung und Verboten entgegengewirkt. Für das Ennstal wesentlich war die 1695 verordnete Landsteirische Waldordnung.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen änderten sich mit der Bauernbefreiung und der Grundentlastung im Jahre 1848. Hypotheken wurden nun dem Boden der Bauern auferlegt, ohne Berücksichtigung der klimatischen, verkehrstechnischen oder wirtschaftlichen Aspekte. Dies erschwerte den Bauern das Wirtschaften und die Teilnahme an der modernen Marktwirtschaft. Neben der Grundentlastung war auch die industrielle Revolution eine Belastung, weil sie die Nebenerwerbsmöglichkeiten für Bauern erschwerte. Auch die Bahnlinie durch das Ennstal, die 1875 eröffnet wurde, trug zur Abwanderung bei.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Anstrengungen, die bäuerliche Situation der steirischen Bauern zu verbessern. In den Beginn des 20. Jahrhunderts fällt die Verabschiedung des ersten steirischen Landesgesetzes zum Schutze der Almen und zur Förderung der Almwirtschaft.

Das 20. Jahrhundert brachte die Aufgabe der Selbstversorgung durch Handelsdünger und Maschinen. Somit wurde der unrentable Getreidebau im Tal zugunsten von Winterfutterbau aufgegeben. Personalmangel und Molkereigenossenschaften hauptsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg führten dazu, dass die Sennalmen Galtviehalmen weichen mussten. Jene, die Kuhalmen weiterhin betrieben, mussten für eine entsprechende Infrastruktur sorgen. Somit wurden die Almen in dieser Zeit verkehrsmäßig erschlossen.[2]

Die Geschichte der Almwirtschaft im Bezirk Liezen

Bereits in der Bronze- und Eisenzeit bewohnten Menschen die Hochregion des östlichen Dachsteinplateaus. Da in dieser Epoche das Ennstal sehr sumpfig und mit einer üppigen Flora bewachsen war, ersparte man sich durch Intensivierung der Almwirtschaft die Rodung in Talniederungen zur Gewinnung von nutzbaren Flächen.

Funde an den Giglachseen beweisen, dass schon die Römer Interesse an der Almwirtschaft im Ennstal hatten. Damals wurden die Behausungen auf Steinfundamenten errichtet.

Im Frühmittelalter betrieben die Slawen in der Dachstein-Tauern-Region rege Almwirtschaft, unter anderem auf der Planai und am Stoderzinken. Die einräumigen Hütten waren rechteckige Blockbauten auf Steinkränzen. Auch wurden Steinkeller zum Frischhalten von Milchprodukten errichtet. Damals war Käse das wichtigste Almwirtschaftsprodukt.

Aus Mangel an Rentabilität ging Mitte des 20. Jahrhundert die Almwirtschaft zurück. Um den Negativtrend zu stoppen, wurden öffentliche Förderungen für die erschwerten Arbeitsbedingungen eingeführt.

Im Gebiet um St. Gallen (Oberreith, Weng im Gesäuse, Buchau, Admonterhöh', Haferlgraben, Fürstgraben und Keangraben) waren zwischen den [1880er]] Jahren und 1908 mehr als 50 Almwirtschaften verschwunden.[3].

Funktionen der Almwirtschaft

Ein zentraler Vorteil der Almwirtschaft ist die Ersparnis von Futter und Arbeit während der Sommermonate. Die Almwirtschaft kann außerdem Flächen nutzen, deren einzige profitable Nutzung die Beweidung ist. Für die Nutztiere bieten die Almflächen eine gesunde Ernährung, die sich in erhöhter Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, Fruchtbarkeit und Lebenserwartung bemerkbar macht. Ganz wesentlich ist die Funktion der Landschaftserhaltung. Viele alpine Pflanzen werden nur durch die Almwirtschaft erhalten. Durch das Abweiden entsteht auch für den Menschen ein Vorteil im Sinne einer ästhetisch empfundenen Landschaft. In jüngerer Vergangenheit hat man vermehrt den touristischen Nutzen und den Erholungsfaktor entdeckt. Die Lage oberhalb des Dauersiedlungsraums und damit eine beinahe unberührte Landschaft und keine störende Lärmeinwirkung bewirken einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Neben der Landschaft ist vor allem auch der kulturelle Aspekt in Form der Almkultur sehr wertvoll. Die Almwirtschaft trägt wesentlich zum Tourismus in Österreich bei und prägt auch dessen Identität ungemein. Auf der Webseite[4] der Almexperten in Österreich sind zahlreiche weitere Funktionen angeführt.[5]

Almtypen

Eingeteilt werden die Almen nach Lage, Nutzung und Besitzverhältnissen.

Lage

Bezüglich der Lage wird in Nieder-, Mittel- und Hochalm untergliedert.

Nutzung

Bei der Nutzung bzw. dem Besatz wird wie folgt vorgegangen.

  1. Kuhalmen

Auf diesen Almen wird Milch gewonnen und zu Butter und Käse weiterverarbeitet. Die Milchviehalpung ist besonders arbeitsintensiv und ist somit die teuerste Nutzform.

  1. Gemischte Almen

Ziel ist hier ein hoher Milchertrag als auch Fleischzuwachs bei Jungtieren.

  1. Galtviehalmen

Auf den Galtviehalmen findet man überwiegend trockenstehende Kühe bzw. Jungvieh. Die Bewirtschaftung ist dementsprechend günstig.

  1. Kleintieralmen

Hier weiden Schafe und/oder Ziegen, die sich auch noch in steilem und felsigem Gelände bewegen. Deshalb sind diese Almen meist sehr hoch.

Eigentumsformen

Unterschieden werden Almen im Einzelbesitz, im Gemeinschaftsbesitz und öffentliche Almen. Zurückzuführen sind die Eigentumsformen auf die spezifischen historischen Persistenzen.[6]

Almhütten

Es gibt eine Vielzahl von Bauweisen, selbst innerhalb regionaler Bautypen gibt es zahlreiche Unterschiede. Somit kann man Großteiles davon sprechen, dass jede Almhütte ihre ganz spezifische Bauweise hat. Zuerst hausten Mensch und Tier innerhalb eines Gebäudes, danach wurden Wohnbereich und Stall getrennt.[7]

Naturräumliche Bedingungen der Almwirtschaft im Ennstal

Nördlich vom Ennstal schließen die nördlichen Kalkalpen, südlich die Niederen Tauern an. Die Talböden des Ennstals eignen sich aufgrund der sumpfigen Auböden und Moore nicht zur Ackerwirtschaft. Aus diesem Grund hat man sich auf die Viehwirtschaft spezialisiert, die auf Waldalmen und Hochweiden betrieben wird. Dabei stellt sich das Kristallin der Niederen Tauern als äußert futterreich dar und bietet geeignete Weideflächen. Die Böden der nördlichen Kalkalpen sind weniger mächtig und daher trocken. Des Weiteren stellt der Kalk in Form von Dolinen, Felsabbrüchen oder anderen Formationen eine Gefahr dar.[8]

Produkte des Eigenbedarfs

Während des Almsommers wurden für die Eigenversorgung Fleisch, Käse und andere Milchprodukte, Schafwolle und zum Teil auch Loden und Leder hergestellt. Auch heutzutage werden noch Bestandteile dieser Produktpalette auf Almen erzeugt.

Touristische Entwicklung

Gegenwärtig hat die Almwirtschaft wieder einen Aufwärtstrend und ist ein bedeutender Faktor im Bereich des Alpin-Fremdenverkehr geworden. Zudem ist der Verkauf der selbst erzeugen Produkte eine wesentliche Einnahmequelle.

Gesetzliche Bestimmung

Am 3. Juli 1984 trat das Almschutzgesetz des Landes Steiermark in Kraft.

Quellen

  • Wikipedia
  • Franz Mandl, Herta Mandl-Neumann: Wege in die Vergangenheit rund um den Dachstein, Tyrolia Verlag Innsbruck-Wien, ISBN 9783702229887

Weblink

Einzelnachweise

  1. Hänsel, Volker: Vom Leben auf der Alm. Kleine Schriften des Landschaftsmuseums Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum Heft 12, Trautenfels 1988, S. 7.
  2. Hänsel, Volker: Vom Leben auf der Alm. Kleine Schriften des Landschaftsmuseums Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Heft 12. Trautenfels 1988, S. 7-14.
    • Der Ennstaler, Sonderausgabe 100 Jahre Der Ennstaler, August 2006
  3. siehe www.almwirtschaft.com
  4. Eibl, Jutta; Kremer, Daniela (Hg.): Almwirtschaft im Alpenraum. deutsch französisch italienisch, Innsbruck 2009, S. 8-9.
  5. EIBL Jutta / KREMER Daniela (Hg.), Almwirtschaft im Alpenraum. deutsch französisch italienisch. Innsbruck 2009, S. 10-11.
  6. Pürcher, Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz 2000, S. 35
  7. Hänsel, Volker: Vom Leben auf der Alm. Kleine Schriften des Landschaftsmuseums Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Heft 12. Trautenfels 1988, S. 7