Admonter Geistliche auf dem Natterriegel

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Admonter Geistliche auf dem Natterriegel waren nachweisbar immer wieder auf dem Natterriegel.

Geschichte

Nicht nur die Almbauern und Hüterbuben, sondern auch die geistlichen Herren des Benediktinerstifts Admont suchten dieses Berggebietes des Natterriegel auf. Der Pater Jägermeister hatte neben seinen Jägern und den Almaufsehern die korrekte „Bestoßung“ der Almen (Beweidung mit einer genau bestimmten Anzahl von Vieh) zu kontrollieren. Manchmal dürfte er gemeinsam mit Gästen auch auf die Jagd gegangen sein - hier am Natterriegel allerdings seltener als einige Gipfel weiter im Bereiche des Scheiblingsteines.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts galt Admont als ein Zentrum der Bildung und der Wissenschaft. Im 19. Jahrhundert arbeiteten im Stift hochqualifizierte Naturwissenschaftler. Einige von ihnen haben in den Gesäusebergen geforscht, als Botaniker, Physiker oder Vermesser. Männer, die bei Bergtouren ihre Mönchskutte gegen bequemere Bergkleidung eintauschten, den „Stiglstecken“ in die Hand nahmen und von Hall oder Weng im Gesäuse aus bergwärts schritten.

Warum wurde eine Bergtour erwähnt?

Eine kleine Notiz im Tagebuch des Bibliothekars Pater Urban Ecker bezieht sich auf eine Tour vom 25. Juli 1810 auf den Natterriegel:

1810, 25. July: Natterriegelreise mehrerer Geistlichen, wobey das Pferd d. Hofrichter Reiner umkam.

In den bisher unveröffentlichten Briefen des Admonter Historikers Pater Albert von Muchar kann man Genaueres über diesen Unfall finden. Am 27. Juli 1810 schrieb er an seinen Freund P. Benno Kreil:

... juvat Socios habuisse malorum!

Unglücksbruder!

Gestern um 4 Uhr nachmittag wurde unser kleines Dörfchen (Weng) in keinen geringen Alarm versetzt.

Ein Besteigungsbericht beginnt anders, auch wenn in den folgenden Zeilen zunächst über die Bergtour berichtet wird:

Eine Karawanserei Geistlicher Herrn vom Stifte machte vorgestern am Tage des S. Jacobs über die Grabner Alpe eine Bergreise auf den sogenannten Natterrigl. Es waren beiläufig 12 Personen, 2 Musiker - und ein gewerkschäftlicher Waldgeher nebst einem Stallbuben dabei. Die Gesellschaft muß einen herrlichen Genuß gehabt haben - denn die 2 Tage Jakobi und Anna waren wohl heuer die allerschönsten. Die Gesellschaft hatte auch ein Pferd bei sich, welches die Bagage (Gepäck) und Victualien auf einem Alpen-Karren nachführte.

Gestern frühe hatten alle glücklich den Berg erstiegen und beiläufig um halb 4 Uhr zogen sie sich schon wieder von der Alpe herab nach Hause. Der Tag war ausserordentlich schwüll - und ehevor man aus dem schattenreichen Walde kam, lagerte sich die ganze Gesellschaft, unter erquückenden Laubgewölben und genoß der sanften Ruhe.

Soweit die Einleitung. Der Hauptbericht aber, vier Mal so lang, handelt vom Pferd, das - bereits im Siedlungsgebiet von Weng - in einen Graben stürzte und verendete. Die Aufregung - und die Eintragung in das Tagebuch - galt dem Verlust eines Pferdes und keinesfalls einer Bergtour. Wir verdanken also die erste Beschreibung einer Bergtour im Gesäuse einem verunglückten Pferd!

Diese nur zufällige Erwähnung einer Natterriegeltour lässt darauf schließen, dass solche Bergpartien seit langem üblich waren. Man machte kein Aufhebens davon. Aber was waren die Beweggründe, warum die Geistlichen - vermutlich bereits seit Jahrzehnten - auf diesen Aussichtsberg stiegen? Die Antwort können wir nicht aus den Briefen oder Tagebüchern herauslesen. Es war sicherlich die Freude am Außergewöhnlichen, an der gemeinsamen Leistung inmitten einer fröhlichen Gesellschaft. Aber in zwei Worten des Briefes ist ein seltsamer, bisher kaum dagewesener Beweggrund versteckt: zwei Musiker.

Die Blasmusik am Natterriegel

Der Reiseschriftsteller Franz Sartori erwähnte im Jahre 1811 anlässlich seiner "Excursion auf den Natterrigl" den "Kleinboden",

der eine kleine Fläche dieses Gebirges ist, welche mit Felsstücken angefüllt war, die von den Steinwänden, welche die Fläche einschliessen, herabgestürzet sind. (Ein tolles Satzgefüge, das auch inhaltlich nicht stimmt: Der Kleinboden liegt gleich nördlich der Grabneralm, er ist eine steinfreie schöne Weidefläche.) Merkwürdig ist in diesem Thale das Echo, das sich sechs und achtmahl wiederhohlt. Prächtig muß sich die Wirkung einer türkischen Musik ausgenommen haben, welche die geistlichen Herren des Stiftes Admont bey einer Excursion auf den Natterrigl hier machten.

Die von Muchar erwähnten zwei Musiker hatten also Trompeten oder andere Blechblasinstrumente mit. Die Gesellschaft vergnügte sich, wahrscheinlich nach dem Abstieg vom Gipfel, daran, der Zweimannkapelle zuzuhören. Ob das „Echo der Berge“ tatsächlich unten bei der Grabneralm am Kleinboden ausprobiert wurde oder eher knapp unterhalb des Grabnertörls, muss ungeklärt bleiben. Die beste Akustik wäre allerdings im oberen Seeboden zu erzielen. Dort, in dem Kessel, rund wie eine Arena, hallt das gerühmte achtfache Echo wider.

In der Alpingeschichte Österreichs sind manche seltsame und auch verrückte Gründe zu finden, warum man vor 200 Jahren auf die Berge stieg. Aber in einem Bergkessel die Akustik mit Trompeten auszutesten - das ist einzigartig!

Nachahmern sei allerdings empfohlen, nur in kleiner Blechmusikbesetzung am Grabnertörl Aufstellung zu nehmen und „piano“ zu blasen. Bei allzu starker oder gar falscher Geräuschentwicklung könnten Gämsen und Wanderer aggressiv werden.

Quelle