50 Jahre Dachstein-Direttissima

2017 - 50 Jahre Dachstein-Direttissima - zwischen dem 26. und 28. September 1967 – schrieben Leo Schlömmer und Peter Perner mit der Erstbegehung der Dachstein-Direttissima Bergsteigergeschichte.

Ein Rückblick

Zwischen Steinerweg und Pichlweg befindet sich ein gewaltiger gelber Wandausbruch. Direkt in der Gipfelfalllinie leuchtet das gelbe und rote Bruchgestein weithin und gibt der Dachstein-Südwand ihr charakteristisches Aussehen. Von 1964 an begann sich Leo Schlömmer für dieses senkrechte und überhängende „Neuland“ zu interessieren. Maßgebend war sicher auch, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits fast alles geklettert ist, was in Europa Rang und Namen hatte – von der Eiger-Nordwand bis zur ersten Winterbegehung der Matterhorn-Nordwand und vom Bonattipfeiler in Chamonix bis zu den direkten Anstiegen in den Nordwänden der Drei Zinnen in den Dolomiten.

So war es für ihn sicher leichter, einige Urlaube im unerforschten Fels der Dachstein-Direttissima zu verbringen. Für die Versuche zu diesem Anstieg – seit 1965 zuerst Leo Schlömmer mit Herbert „Steix“ Steinbäcker, dann mit Peter Perner und Dieter Ertl – waren vier Aufenthalte in der Wand mit 17 Tagen und zwölf Biwaks nötig, verteilt auf drei Jahre. Die Schwierigkeiten waren unheimlich und auch Wetterstürze oder das Zuendegehen von Wasser und Proviant zwangen die Bergsteiger oft aus der Wand.

1967 war die Route bis 200 Meter unter dem Gipfel bereits erschlossen. Dann, vom 26. bis 28. September 1967, kam endlich der große Erfolg: Leo Schlömmer von Peter Perner gesichert, überwindet am zweiten Tag in sechsstündiger Wahnsinnskletterei die Schlüsselstelle der Route – einen 50 Meter weit hinausragenden Dachüberhang in 700 Meter Wandhöhe.

Die exponierteste Kletterstelle in den Alpen war bezwungen.

Schlömmer biwakierte oberhalb der Dachkante in einer Hängematte, Perner mit einem Transistorradio unter dem Überhang. Am nächsten Tag erreichten beide bei nebeligem Wetter überglücklich den Dachsteingipfel.

Weitere Begehungen

Die zweite Begehung gelang am 20. Oktober 1967 Klaus Hoi und Fritz Walcher in zwölf Stunden. Die erste Wintergehung und zugleich die achte Begehung erkämpften sich Albert Precht und F. Berger vom 7. bis 10. März 1969. Der absolute Höhepunkt in der langjährigen Direttissima-Geschichte war aber zweifellos die erste und bis heute einzige Alleindurchsteigung durch Leo Schlömmer am 19. Oktober 1969 in der Rekordzeit von sieben Stunden. Beim Versuch es Schlömmer gleichzutun, stürzte am 31. August 1974 der junge Saalfeldner Extrembergsteiger Alois Heugenhauser tödlich ab.

Quelle